In Anerkennung ihrer Arbeit auf dem Gebiet der KI-gestützten Krebschirurgie erhielt Dr. Fiona Kolbinger, Clinician Scientist, den mit 210.000 Euro dotierten Jung-Karriere-Förderpreis 2026. Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung vergibt insgesamt drei Medizinpreise, die zusammen mit mehr als 500.000 Euro dotiert sind. Im Vorfeld der Preisverleihung hielt Fiona Kolbinger beim Symposium der Stiftung den wissenschaftlichen Vortrag „Surgery 2.0: Artificial Intelligence-Based Personalized Decision-Making in Oncologic Surgery“, der im Nachgang frei zugänglich veröffentlicht wird.
Fiona Kolbingers Forschung befindet sich an der Schnittstelle von Chirurgie und Datenwissenschaften. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, wie sich Operationen bei Krebserkrankungen im Bauchraum präziser planen und individuelle Risiken besser abschätzen lassen. Dazu nutzt sie KI-Modelle, um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge besser zu verstehen. Seit 2023 leitet sie eine interdisziplinäre Forschungsgruppe auf dem Gebiet der KI-gestützten Krebschirurgie an der Purdue University (USA).
"Unser Ziel ist es, chirurgische Eingriffe sicherer zu machen und Komplikationen zu vermeiden. Wenn wir bereits vor einer Operation besser einschätzen können, welche Risiken für einzelne Patientinnen und Patienten bestehen, können wir Therapien individueller planen und die Versorgung verbessern", erklärt Dr. Fiona Kolbinger, die auch an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Dresdner Universitätsklinikum und der Medizinischen Fakultät der TUD forscht.
KI unterstützt klinische Entscheidungen und personalisierte Krebstherapien
Mit dem Preisgeld möchte Fiona Kolbinger ihre Forschung weiter ausbauen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Behandlung von Enddarmkrebs (Rektumkarzinom). Hier treten trotz etablierter Therapien häufig Komplikationen auf, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Mit ihrem Team analysiert sie große, sorgfältig aufbereitete Datensätze, um herauszufinden, welche Faktoren zu Komplikationen führen und Strategien zu entwickeln, mit denen solche unerwünschten Folgen künftig verhindert werden können. In früheren Arbeiten konnte sie zeigen, dass KI-gestützte Modelle bereits vor einer Operation Hinweise darauf geben können, ob ein Tumor operabel oder ob mit Komplikationen zu rechnen ist. Solche Informationen könnten künftig stärker in die klinische Entscheidungsfindung einfließen und personalisierte Therapiestrategien ermöglichen.
Flexible Förderung für ein dynamisches Forschungsfeld
„Das Feld entwickelt sich rasant. Deshalb ist es oft notwendig, schnell zu reagieren – manchmal schneller, als es die traditionelle Forschungsfinanzierung erlaubt“, erklärt Kolbinger. „Die Förderung der Jung-Stiftung gibt mir große Flexibilität, innovative Projekte durchzuführen, für die es noch keine oder nur wenige Vor-Daten gibt und für die (noch) keine spezifische Projektförderung bereitsteht.“ Fiona Kolbinger verbindet klinische Praxis mit datengetriebener Forschung. Ihre wissenschaftliche Arbeit ist seit Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit an der TU Dresden und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden eng mit interdisziplinären Forschungseinrichtungen auf dem Campus der Dresdner Hochschulmedizin verbunden.
