Seit dem 1. September 2026 ist Carolin Schneider neue Professorin für Digitale Präzisionsmedizin in der Krebsprävention und Früherkennung an der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD), eine gemeinsame Berufung der Medizinischen Fakultät (MF-TUD) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Schneider forscht an der Schnittstelle von Medizin und Informatik und verstärkt künftig als Leiterin einer DKFZ-Abteilung in Dresden den ersten DKFZ-Standort außerhalb Heidelbergs, wo sie die erste Außenstelle des Nationalen Krebspräventionszentrum aufbaut.
Carolin Schneider gehört zu den jüngsten Professorinnen Deutschlands. Mit ihrem Forschungsfeld Datenanalyse, Bevölkerungsbiostatistik und Künstliche Intelligenz (KI) bedient sie ein in Deutschland noch junges Wissenschaftsgebiet. „Im Vordergrund steht die Frage: Wie kann ich gesunden Menschen helfen, gesund zu bleiben?“, bringt Schneider ihren Ansatz auf den Punkt. „Aus Richtung der Forschung möchte ich eine Antwort finden, welche Versorgungsstruktur unter Nutzung neuer digitaler Technologien hierfür sinnvoll wäre und wie ein entsprechender Aufbau gelingen kann.“
Der DKFZ-Standort Dresden mit seinem Schwerpunkt innovative Grundlagenforschung im Kampf gegen Krebs ist die erste und bisher einzige Außenstelle des in Heidelberg angesiedelten Deutschen Krebsforschungszentrums. Mithilfe smarter Technologien, Robotik, KI und Data Science sollen hier zukunftsweisende Therapiemöglichkeiten entwickelt werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit steht dabei im Fokus: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Biologie, Chemie, Informatik, Materialwissenschaften und weiteren Disziplinen arbeiten Hand in Hand, um neue Ansätze zur Diagnose, Prävention und Therapie von Krebserkrankungen zu schaffen.
Als Außenstelle des Nationalen Krebspräventionszentrums in Heidelberg entsteht in Dresden eine weitere Präventionsforschungsambulanz, die allen Bürgerinnen und Bürgern offensteht. Ziel ist es, von der Grundlagenforschung über Präventionsstudien bis hin zur evidenzbasierten Beratung der Bevölkerung alle wichtigen Strukturen der Früherkennung abzubilden. Die Bürgerinnen und Bürger sollen hier künftig in einem neuen und modernen Forschungsgebäude am onkologischen Campus der Hochschulmedizin Dresden umfassende, wissenschaftlich fundierte Informationen und Beratung zur Krebsvorbeugung und -früherkennung erhalten. Zusätzlich haben sie die Möglichkeit, an aktuellen Studien zur Krebsprävention teilzunehmen.
Carolin Schneider: Von der Stoffwechselforschung zur digitalen Präzisionsmedizin
Mit der Berufung von Carolin Schneider beginnt die Umsetzung dieser Pläne. Schneider begann ihre wissenschaftliche Laufbahn an der RWTH Aachen, wo sie nach ihrem Medizinstudium zu genetischen Lebererkrankungen promovierte. Anschließend wechselte Schneider an die University of Pennsylvania (USA), wo sie an großen Patienten-Datensätzen forschte, um individuelle Präventionsempfehlungen zu entwickeln. In ihrer folgenden Zeit als Ärztin, Forschungsgruppenleiterin und Junior-Professorin an der RWTH Aachen schloss sich für sie der Kreis: Anhand großer Datenmengen erforschte Schneider das Risiko für Stoffwechselerkrankungen am Beispiel der Fettleber und deren Entwicklung zum Leberkrebs. Ihre interdisziplinäre Forschungsgruppe umfasste etwa 20 Mitarbeitende, darunter klinisches Personal, Technikerinnen und Techniker, Psychologinnen und Psychologen sowie Ökonomen.
„Prävention wird oft mit Verboten gleichgesetzt. Davon möchte ich wegkommen und stattdessen fragen: Was ist genetisch bedingt und was kann jeder und jede Einzelne tun, um ein erhöhtes Erkrankungsrisiko zu senken?“, erklärt Schneider ihren wissenschaftlichen Ansatz. Dies gelte nicht nur für die Leber, sondern für viele (Krebs-) Erkrankungen sowie kardiovaskuläre Risikofaktoren.
Eine zentrale Voraussetzung dafür ist der Aufbau einer möglichst großen Kohortenstudie mit Patientendaten aus Deutschland. Die Übertragbarkeit der existierenden großen Datensammlungen aus den USA, Großbritannien oder China ist aufgrund der unterschiedlichen Lebensstile nur begrenzt möglich. „Ich sehe es als meine vordringliche Aufgabe, eine Kohortenstudie über die Präventionsambulanz aufzubauen, um aussagekräftiges Datenmaterial zu erhalten“, erläutert sie ihr langfristiges Ziel. Ergänzt werden soll es durch Daten aus der elektronischen Patientenakte.
Standortvorteil Dresden: BioBank, technische Innovationen und eigene Kohortenstudie
Der Wechsel ans DKFZ als Leiterin einer Forschungsabteilung in Verbindung mit einer Professur an der Medizinischen Fakultät der TUD war für Carolin Schneider daher ein wichtiger und folgerichtiger Schritt. „Dresden bietet ideale Voraussetzungen: die Einbettung der Professur in den Campus der Hochschulmedizin Dresden mit seinem onkologischen Schwerpunkt, die Kooperation mit der BioBank Dresden und die zahlreichen technische Innovationen der TUD, um zukunftsweisende Therapiemöglichkeiten zu entwickeln und zu testen“, sagt sie.
„Wir wollen Krebs nicht erst dann bekämpfen, wenn er entstanden ist, sondern immer besser verhindern, dass Menschen überhaupt erkranken. Die digitale Präzisionsmedizin eröffnet uns dafür neue Möglichkeiten. Indem wir Gesundheitsdaten intelligent zusammenführen und auswerten, können wir individuelle Krebsrisiken früher erkennen und Präventionsangebote gezielter auf den einzelnen Menschen zuschneiden. Mit der neuen Abteilung stärken und ergänzen wir am DKFZ das strategisch wichtige Feld der Präventionsforschung“, sagt Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ.
„Die neue Professur für Digitale Präzisionsmedizin in der Krebsprävention und Früherkennung ist ein wichtiger strategischer Baustein für den Standort Dresden“, betont Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät. „Mit dem Schwerpunkt Präventionsforschung ergänzen wir unser bestehendes onkologisches Profil: Während wir am NCT/UCC Dresden bereits exzellent in der kurativen und translationalen Krebsforschung sind, schließen wir mit der neuen Professur und der Präventionsforschungsambulanz die Lücke zur primären Prävention und evidenzbasierten Früherkennung. Damit wird Dresden zum umfassenden Kompetenzzentrum, von der Vorbeugung über die Früherkennung bis zur personalisierten Therapie.“
