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Großes Versprechen

von Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM

Das Bundesministerium für Gesundheit hat das einjährige Jubiläum des Forschungsdatenzentrums (FDZ) Gesundheit gefeiert. Gesundheitsminister Carsten Linnemann hielt eine kluge Rede. Wie immer auf Veranstaltungen, auf denen politisch gesteuerte Institutionen sich selbst feiern, gab es in den Ka„eepausen Gemaule über Strukturen, Verantwortlichkeiten, zu wenig Tempo und zu hohe Preise. Muss es wirklich
eine Bundesbehörde – das BfArM – sein? Warum dauert es so lang, bis Forschungsvorhaben genehmigt werden? (Bisher knapp 20, bei rund 120 Anträgen.) Ist die Datentiefe nicht viel zu klein? Das Prozedere der Dateneinsicht und -analytik nicht spektakulär umständlich?


Das sind alles Fragen, die gestellt werden dürfen und die an entsprechender Stelle zu diskutieren sind. Aber
Linnemann hielt sich damit nicht auf. Er redete stattdessen über Carolin Schneider, die seit September die Professur für Digitale Präzisionsmedizin an TU Dresden und Deutschem Krebsforschungszentrum innehat. Wie viele andere, die datenbasierte Gesundheitsforschung machen, hat sie sich ihre wissenschaftlichen Sporen in den USA verdient, wo die nötigen Daten im nötigen Umfang (viel) leichter zugänglicher sind.


Das FDZ soll KI-ready werden

Trotzdem kam sie nach Deutschland zurück, und sie ist nicht die Einzige. Dora Stern in Potsdam hat eine ähnliche Vita, es gibt noch einige mehr. O„enbar, so Linnemann, werde Deutschland für die digital gestützte Gesundheitsdatenforschung langsam attraktiver. Für den Minister ist das Motivation, das FDZ zügig weiter auszubauen: „Die Carolin Schneiders dieser Welt sollen in Deutschland bleiben oder zurückkommen.“ Zudem – ein bisschen Standortpolitik konnte sich der Volkswirt nicht verkneifen – seien Gesundheitsdaten ein zentraler Rohsto für die Wirtschaft, zumal in Zeiten, in denen die relative Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für die deutsche Wirtschaft zunimmt.


An dieser Stelle hätte der Minister aufhören können, und es wäre eine solide, etwas menschelnde Innovationsrede gewesen. Aber er ging noch einen Schritt weiter und machte eine Ankündigung, hinter die er schwerlich zurückkönnen wird. Man werde das FDZ „KI-ready“ machen und es mit der dafür nötigen Rechenkapazität ausstatten. Wer weiß, was so etwas kostet, der weiß auch, dass es dafür politisches Engagement braucht. Den Krankenkassen wird Linnemann das nicht überlassen können, was seine Ankündigung noch etwas bemerkenswerter macht, denn das wird ihm klar sein. Wir sind gespannt, was da kommt, und werden Sie gegebenenfalls an Ihr Versprechen erinnern, Herr Minister.

Autor:

Philipp Grätzel von Grätz

Chefredakteur E-HEALTH-COM