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Innovationsfonds

Kickstarter oder nicht?

© stockpics

 

Wird der Innovationsfonds des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes zum Treiber der digital vernetzten Versorgung? Die Signale sind widersprüchlich.

 

Wenn es nach Professor Josef Hecken geht, dann stehen der Telemedizin in Deutschland rosige Zeiten bevor. Wo immer der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) derzeit Vorträge zum Thema Innovationsfonds hält, erscheint die Telemedizin als ein Beispiel für potenziell förderungswürdige Themen ganz oben auf seiner Liste.

 

Die Frage ist, ob sich Heckens Optimismus auch in entsprechenden Anträgen niederschlägt, die nach einem derzeit noch in Abstimmung befindlichen Prozedere letztlich dem „Innovationsausschuss“ vorgelegt werden müssen, der sich aus GBA-Vorstand und Bundesministerium für Gesundheit rekrutiert. Bernhard Gibis, Leiter des Geschäftsbereichs Versorgungsstruktur bei der KBV, wies beim diesjährigen gevko-Symposium auf ein potenzielles Problem hin: Der Innovationsfonds zielt auf die Regelversorgung, die Kassen betrachten Telemedizin bisher aber als Wettbewerbsinstrument. Es braucht also eine Art mentale Umpolung, was nicht schlecht sein muss, die Entwicklung von Innovationsfondsanträgen mit Telemedizinkomponente aber nicht einfacher macht.

 

Sorge vor Überfrachtung

Deutlich wurde beim gevko-Symposium auch, dass der Innovationsfonds aus Sicht der Gesundheits-IT Gefahr läuft, völlig überfrachtet zu werden. So wünschte sich Ulf Maywald, Leiter des Bereichs Arzneimittel bei der AOK PLUS, dass Gelder aus dem Innovationsfonds zur Finanzierung der Entwicklung sektorübergreifender IT-Standards genutzt werden, gleichsam als ob die mangelnde Standardisierung im deutschen Gesundheitswesen finanzielle Gründe hätte. Auch Eberhard Mehl vom Deutschen Hausärzteverband denkt groß. Er würde den Innovationsfonds am liebsten dazu nutzen, das in Deutschland nach wie vor politisch tote elektronische Rezept voranzubringen.

 

Sabine Richard vom AOK Bundesverband nahm ihm da gleich einmal den Wind aus den Segeln und dürfte der IT-Community damit aus der Seele gesprochen haben: „Der Innovationsfonds kann die Blockaden durch eine nicht existierende Telematikinfrastruktur nicht auflösen, und das eHealth-Gesetz kommt vom Zeitplan her für den Innovationsfonds zu spät.“ Sie erwartet daher eher nicht, dass der Innovationsfonds ein Treiber der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens wird: „Das wird allenfalls ein kleiner Beschleuniger.“