Die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) stellt der ePA in ihrem neuen BfDI Datenbarometer ein insgesamt gutes Zwischenzeugnis aus. Basis für diese Einschätzung ist eine repräsentative Befragung, die Ende vergangenen Jahres stattfand und die telefonisch von der INFO GmbH im Auftrag der Behörde durchgeführt wurde. Teilgenommen hatten insgesamt 1500 gesetzlich krankenversicherten Personen ab 16 Jahren.
Insgesamt, so die BfDI in einem aktuellen Datenbarometer-Newsletter zu den Ergebnissen der Umfrage, sei die ePA gekommen, um zu bleiben. Neun von zehn Befragten sagten, dass sie die ePA auch mittelfristig behalten wollten. Das waren praktisch alle, die nicht ohnehin schon widersprochen hatten. Dass die Befragung nicht ganz repräsentativ gewesen sein kann, zeigte sich daran, dass 12 % angaben, die ePA-App zu nutzen. Offizielle Zahlen sind niedriger. Gemessen an den für die ePA-App nötigen, ausgestellten Gesundheits-IDs nutzen derzeit 5,85 Millionen Menschen die App, was etwa 8 % der GKV-Versicherten wären, unter Einschluss der Kinder allerdings.
Die BfDI betont, dass die so oder so niedrige App-Quote nicht als Misserfolg der ePA gewertet werden sollte: 42 % derer, die die ePA nicht aktiv nutzten, die also keine ePA-App hatten, sagten, dass sie gesund seien und keinen Bedarf sähen. Weitere 26 % sagten, sie hätten für das Thema bis dato schlicht keine Zeit gehabt. 11 Prozent gaben an, dass sie den Aktivierungsprozess als zu kompliziert empfänden.
Die Menschen wollen mitreden können
Die BfDI-Befragung hat bei denen, die der ePA widersprochen haben, auch nach Gründen dafür gefragt. Die große Mehrheit, 55 %, gab Datenschutz- und Datensicherheitsbedenken an. Hier sehen die Datenschützer zum einen ein starkes Argument für die konsequente Umsetzung eines hohen Schutzniveaus bei der ePA. Sicherheitslücken müssten erkannt und dann zügig geschlossen werden, um das Vertrauen der Bevölkerung zu erhalten. Gleichzeitig gebe es beim Thema Datenschutz aber auch noch Kommunikationsbedarf. So gaben 35 % derer, die von ihrem Opt-out-Recht Gebrauch gemacht hatten, an, dass sie nicht allen Personen Zugriff auf ihre ePA ermöglichen möchten. Dies sei aber auch gar nicht zwingend erforderlich, wenn die Einstellmöglichkeiten der ePA-App genutzt würden. Entsprechend hätten hier eventuell Opt-outs durch bessere Informationen verhindert werden können.
Interessant ist auch, welche Arten von Einstellungsmöglichkeiten sich die Menschen bei der ePA wünschen. 83 % gaben an, dass die es begrüßen würden, wenn Zugriffsrechte sehr detailliert selbst geregelt werden könnten. Das ist derzeit noch nicht der Fall, die Möglichkeiten, Zugriffsrechte auszuüben, sind in den Apps noch recht pauschal. Gleichzeitig sprachen sich 81 % für eine vollständige Medikamentenübersicht in der Akte aus. Dies deutet darauf hin, dass die in den ePAs umgesetzte Praxis, wonach Medikamentenlisten nur ganz oder gar nicht zugänglich gemacht werden können, bei der Bevölkerung auf Verständnis stößt. Mehr als zwei Drittel sagten, dass sie die Medikationsübersicht und andere Unterlagen für alle Ärztinnen und Ärzte freischalten würden. Und ähnlich viele würden ihre Daten in pseudonymisierter Form für die Forschung freigeben.
Mehr Teilhabe wagen – und mehr Anwendungen bauen!
Insgesamt sprechen all diese Antworten aus Sicht der BfDI für ein detaillierteres Rechtemanagement bei der ePA. Und sie sprechen gegen die mitunter zu hörende Befürchtung, wonach die Versicherten bei mehr Auswahlmöglichkeiten plötzlich in großem Stil Informationen zurückhalten könnten, was die Nutzbarkeit der ePA einschränken würde. Ein bisschen mehr Vertrauen in die Intelligenz der Bevölkerung scheint angebracht. Was die Befragung auch zeigt: Vielen Menschen kann die ePA schlicht noch nicht genug. Anwendungen, die gerne gesehen würden, sind u.a. ein digitaler Impfpass, eine digitale Kurzakte sowie Möglichkeiten zur Auswertung der eigenen Daten.
Weitere Informationen
BfDI Datenbarometer 2026 zur elektronischen Patientenakte:
BfDI – Elektronische Patientenakte: Datenschutz und Selbstbestimmung erhöhen die Akzeptanz
