Die Telematikinfrastruktur (TI) stößt in ihrer jetzigen Struktur an ihre Grenzen – und das bei immer stärkerem Nutzen der Digitalisierung für die Versorgung. Instabilitäten und Ineffizienzen, die vor der Einführung von E-Rezept und der ePA weniger ins Gewicht fielen, haben gezeigt, dass die aktuelle Struktur nicht leistungsstark, skalierbar, effizient und sicher genug ist.
Das macht einen Paradigmenwechsel notwendig: Weg von parallelen Infrastrukturen und hin zu einer Plattform als Betriebsumgebung der TI, die interoperabel, flexibel und kosteneffizient ist. Mit ihr schaffen wir eine zukunftsfähige gemeinsame Basis für digitale Versorgungsprozesse, die nicht nur zeitgemäß ist, sondern schlicht auch alternativlos. Berechtigte Sorgen müssen natürlich Raum haben. Klar ist aber auch: Nur mit einer belastbaren Infrastruktur für Fachdienste, Systeme und Apps gleichermaßen ist eine moderne, digital gestützte Versorgung möglich.
Unsere Gesellschafter haben uns mit einem konkreten Fahrplan für die beschleunigte weitere Umsetzung der TI 2.0 beauftragt. Das geht nur mit der notwendigen Investitionsbereitschaft von allen. Von der Selbstverwaltung wünsche ich mir eine aktive Rolle und ausreichend Ressourcen, von der Politik den flankierenden Rahmen und von der Industrie die Investition in neue Geschäftsmodelle. Sicher kann über das „Wer“, „Was“ und „Wie“ noch genauer diskutiert werden. Aber wir starten besser heute als morgen, wenn wir für die Versorgung der Menschen mehr technischen Fortschritt, Wettbewerb und Innovation in Deutschland wollen. Digitalisierung ist kein isoliertes Modernisierungsprojekt, sie ist die Grundvoraussetzung für Reformen.
Autor:
Dr. Florian Fuhrmann
ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Digitalagentur gematik
Kontakt: kolumne(at)gematik.de
