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Medizin |

Blutdruckuhr trifft Forschungsplattform

Huawei und Thryve kooperieren bei einer innovativen Forschungsplattform. Die Chinesen launchen parallel die Version 3 ihrer Smartwatch D, die mehr Medizin kann als jede andere.

Bild: © Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM

Spannende neue Entwicklungen im Bereich Citizen Science auf Basis von Wearables: Das chinesische Unternehmen Huawei, das sich im Healthcare-Bereich mit seiner Smartwatch D-Series einen Namen gemacht hat, kooperiert künftig auf gesamteuropäischer Ebene mit dem deutschen Unternehmen Thryve. Das Unternehmen Thryve entwickelte vor Jahren im Auftrag des RKI die Corona-Datenspende App und ist heute ein wichtiger Plattform- und API-Anbieter für Gesundheitsdaten von Wearables. „Unsere Plattform integriert und analysiert Gesundheitsdaten in Echtzeit“, sagte Thryve-CEO Friedrich Lämmel bei einer Veranstaltung von Huawei anlässlich des Europäischen Kardiologenkongresses in München. „Wir sehen uns als ein Betriebssystem für Gesundheitsdatenanalytik.“

 

Im Rahmen der Kooperation mit Huawei wird jetzt eine europäische Forschungsplattform gelauncht, die „Terve Research Platform“ heißt. Terve ist Finnisch und heißt „Hallo“. Die Verbindung zu Finnland kommt über ein „Health Lab“ genanntes Forschungszentrum, das Huawei in Finnland betreibt. Dort wurden wichtige Komponenten bzw. Algorithmen der neuen Huawei Watch D3 entwickelt, deren globaler Launch am 2. September 2026 in München über die Bühne geht.

 

Zuverlässige Blutdruckmessung auch nach körperlicher Anstrengung

Die D3 ist das Nachfolgemodell der D2, die vor zwei Jahren Aufsehen erregt hat. Die D2 besaß, wie ihr Vorgängermodell D1, eine in das Uhrarmband integrierte Blutdruckmanschette. Das ist eine Funktion, die die Apple Watch nicht bietet. Anders als die D1 war die D2 nicht nur zu Einzelmessungen, sondern zu einer 24/7 Blutdruckmessung befähigt, einem ambulanten Blutdruckmanagement (ABPM). Dies ermöglichte einen professionellen Einsatz in der medizinischen Versorgung, und die Uhr ist dafür mittlerweile in weiten Teilen der Welt auch als Medizinprodukt zugelassen.

 

Die D3 setzt darauf auf. Sie ist mit 11,3 Millimetern nochmals ein Stück dünner als die D2. Das Armband wurde optimiert und bequemer gemacht. Vor allem aber ist die Blutdruckmessung noch etwas genauer geworden: „Die Messung funktioniert jetzt auch in herausfordernden Szenarien“, so Andreas Zimmer, Head of Product bei Huawei Europe. Das Szenario, um das es dabei vor allem geht, ist die Blutdruckmessung vor und vor allem unmittelbar nach körperlicher Betätigung bzw. Sport. Insbesondere die Messung danach ist anspruchsvoll, weil der Puls dann sehr schnell ist. Damit komme die Uhr aber klar, so Zimmer, und sie sei deswegen gerade auch für Forschungsprojekte, die Vitaldaten im Alltag erheben wollen, extrem gut geeignet.

 

App ist das Interface zwischen Bürger:in und Forschenden

Der Clou an der ganzen Sache ist jetzt, dass die D3 Watch, die nicht nur den Blutdruck, sondern auch andere Vitalparameter wie etwa EKG, Schlafdaten, Sturzsensorik und Herzfrequenzvariabilität beherrscht, künftig nicht nur Endkunden, sondern auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zugänglich gemacht werden. Funktionieren soll das so, dass sich forschungsinteressierte Uhrenbesitzer:innen, ähnlich wie einst bei der Corona-Datenspende-App, die Terve-App auf ihr Smartphone – iOS oder Android – herunterladen.

 

Diese App bzw. die daran gekoppelte Terve-Plattform ist dann das Interface zwischen Forschenden und Bürger:innen. Dabei sind verschiedenen Forschungsszenarien denkbar, von großangelegten Wearable-Abfragen bei Menschen, die die Uhr ohnehin besitzen, bis hin zu auf spezifische Messungen fokussierten Projekten, bei denen bestimmte Patientengruppen für das jeweilige Forschungsprojekt mit den Uhren gezielt ausgestattet werden.

 

Forschungsanträge können eingereicht werden

Das Thema Forschung mit Wearables ist für Huawei nicht neu, das Unternehmen ist auch über die D-Uhren hinaus ein führender Wearable-Anbieter weltweit: Man habe, so Rico Zhang, Präsident für Smart Wearables & Health bei Huawei, im Rahmen von über 300 Krankenhauskooperationen weltweit schon eine große Zahl an Forschungs- und Versorgungsprojekten initiiert. So gab es die Liverpool Huawei Stroke Study, bei der es um Vorhofflimmern ging. Es gab ein Blutglukose-Projekt des Peking Union Krankenhauses mit 1,5 Millionen Teilnehmer:innen und ein großes, dezentrales Kohortenforschungsprojekt in Dubai, bei dem der Blutzucker während dem Ramadan gemessen wurde mit dem Ziel, das Auftreten von Diabetes genauer vorherzusagen. Ganz neu wurde in diesen Tagen ein Forschungsprojekt mit der Berliner Charité unter Dach und Fach gebracht.

 

Das Problem bisher war, dass sich die Wearable-Daten in vielen dieser Projekte nicht unkompliziert übermitteln ließen. Genau das soll die Terve-App und die dahinterliegende Wearable-Datenplattform von Thryve jetzt lösen. Um die Forschung auf der neuen Plattform anzukurbeln, bietet Huawei Forschungsstipendien an. Interessierte Wissenschaftler:innen können Anträge über researchgrants(at)huawei.com Anträge einreichen, die dann von einem Wissenschaftsbeirat bewertet werden. Aktuelle Schwerpunkte liegen unter anderem bei kardiovaskulärer Gesundheit, Schlaf und Sport-Monitoring.