Der TI-Messenger ist seit Sommer verpflichtender Teil der ePA-Apps. Bringt das was?
Der TI-Messenger macht die schnelle „ad-hoc“-Kommunikation im Gesundheitswesen möglich – genauso ist es vom Gesetzgeber gedacht. In Zukunft werden alle Beteiligten einen TIM-Zugang haben, sodass vieles, was bisher am Telefon geklärt wurde, bequem in digitaler Schriftform über den PC, Notebook, Tablett oder das Smartphone laufen kann. Das gilt für organisatorische Themen genauso wie für medizinisch wichtige Absprachen. Ob Ärztinnen und Ärzte, Patienten oder Mitarbeitende der Krankenkassen – alle können TIM für einen einfachen und schnellen Informationsaustausch nutzen. Den Start machen die Patienten in der ePA-App.
Welche Herausforderungen entstehen durch die TIM-Nutzung?
Um eine effektive und effiziente Symbiose zwischen spontaner Kommunikation und dem gewachsenen Bürokratismus im Gesundheitswesen zu erreichen, werden die Akteure den digitalen Wandel in einer extremen Form vollziehen müssen. Beispiel ist die Frage nach der Archivierung und Protokollierung von Kommunikationskanälen. Ein anderes Beispiel ist die eindeutige Verknüpfung von Krankenversichertennummer und aktueller Fallnummer bzw. Patientennummer in der Gesundheitseinrichtung. Ein weiteres Beispiel ist: Wie kann TIM in Prozesse integriert werden? Hier müssen die Projektteams von IT-Herstellern und Mitarbeitenden in den Gesundheitseinrichtungen die Prozesse analysieren, normieren bzw. standardisieren und dann sinnvoll mit TIM digitalisieren! In meinen Workshops wollten die Projektteilnehmer z.B. mit mir darüber sprechen, wie TIM in die Prozesse zur Notfallversorgung integriert werden kann. Sicherlich ein höchst sinnvoller Ansatz, aber für den Start viel zu komplex.
Was folgt daraus?
Wenn ich mit Mitarbeitenden vom medizinischen Fach oder mit Organisationsbeauftragten spreche, sind wir schnell bei Anwendungsszenarien, die die Integration von weiteren Softwarekomponenten, also Krankenhaus-Informationssystem, Praxis-Verwaltungs-System und andere, bedürfen. Um TIM schrittweise in den medizinischen Versorgungsalltag zu bringen, ist zunächst aber eine kleinteilige Nutzung sinnvoll. Also TIM zuerst als Ad-Hoc-Textnachricht oder Sprachnachricht und dann erst im weiteren Verlauf als Informationskanal für eine relevante medizinische Datenweitergabe auf Basis von IT-Systemen nutzen. Kürzer springen hilft hier, TIM in den Versorgungsalltag zu bringen und niemanden zu überfordern und eine sinnvolle und die Menschen unterstützende Digitalisierung umzusetzen.
Speziell im ambulanten Bereich ist TIM ja relativ teuer. Ist das ein Problem?
TIM stellt eine effiziente Form der Kommunikation dar. Daher erübrigt sich für mich als Ökonom die Frage nach einem zu hohen Preis, da die Opportunität klar ist: wenn Mitarbeitende bisher viel Zeit mit dem Nachverfolgen von Information verbringen oder Informationen nicht vorliegen und sich dadurch Behandlungsrisiken erhöhen, ist für mich die Ausstattung aller Mitarbeitenden mit TIM und die sinnvolle Einbindung in die organisatorischen Prozesse von Arztpraxis, Krankenhaus, Apotheke, Reha, Pflege und weiteren Gesundheitseinrichtungen ein Muss. Der TI-Messenger - richtig eingesetzt - ist ein Gamechanger im deutschen Gesundheitswesen.
Das Interview führte Philipp Grätzel
ZUR PERSON
Dr. rer. oec. Stefan Müller-Mielitz
ist TI-Fachexperte und unterstützt Firmen beim Zugang zur Telematikinfrastruktur. Beim Thema TI-Messenger verfolgt er seit Jahren die Planungen der gematik. In seiner Funktion als Dozent für E-Health hat er eine umfassende Kommunikationsmatrix mit Studierenden der Pflege erstellt, um zu analysieren, wo TIM die Kommunikation in Zukunft sicher und digital abbilden kann.
