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Medizin |

DGPPN empfiehlt NHS-Tool für Psych-taugliche Ersteinschätzung

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGGPN) e. V. unterstützt ein Primärversorgungssystem, sieht aber Defizite bei deutschen Ersteinschätzungs-Tools, wenn es um psychische Störungen geht.

Mit der Einführung eines Primärarztsystems will das deutsche Gesundheitswesen konsequenter als bisher auch auf digitale Anlaufstellen für Patient:innen setzen. In der Routineversorgung gibt es für die dann nötige Ersteinschätzung auf Distanz entsprechende Tools, die für ein Primärversorgungssystem adaptiert werden könnten, insbesondere die Software Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland (SmED) der Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie wird derzeit vor allem bei der Telefon-Hotline der 116117 im Rahmen des Kassenärztlichen Notdienstes eingesetzt.

 

SmED „keine geeignete Grundlage“

Inwieweit sich SmED auch als digitales Ersteinschätzungs-Instrument im Rahmen eines Primärversorgungssystems eignet, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat sich jetzt positioniert. Sie sieht SmED als „keine geeignete Grundlage für ein Ersteinschätzungstool, das auch psychische Beschwerden abfragen und bewerten soll“, so die Fachgesellschaft wörtlich.

 

Grund für dieses negative Urteil ist zum Einen, dass SmED zu wenig auf psychische Beschwerden hin ausgerichtet ist. Die DGPPN sieht aber auch hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit bei SmED deutlichen Nachholbedarf. Grundsätzlich gegen eine digitale Ersteinschätzung ist die DGPPN dabei keinesfalls. Allerdings: „Die Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen – insbesondere auch von schwer psychisch erkrankten Menschen – [müssen] in der weiteren Ausgestaltung […] verbindlich berücksichtigt werden.“

 

Vorbild 111-Tool des NHS?

Konkret fordert die DGPPN, dass neben somatischen auch psychische Beschwerden „frühzeitig, systematisch und mit ausreichender Differenzierung erfasst und im Gesamtbild der Beschwerden bewertet“ werden müssten. Psychiatrische Notfälle müssten zuverlässig erkannt werden, und in diesen Fällen müsse es dann eine Schnittstelle zur Notfallversorgung geben, die wiederum weitgehend flächendeckend Zugang zu akutpsychiatrischer Hilfe biete.

 

Auch Empfehlungen zur ambulanten psychiatrischen Diagnostik bzw. Versorgung müssten im Rahmen einer Ersteinschätzung gegeben werden, so die DGPPN. Letzteres ist deswegen relevant, weil die psychiatrische Versorgung wahrscheinlich aus dem Primärversorgungssystem ausgeklammert werden soll – was aber natürlich nicht für die digitalen Anlaufstellen funktioniert, sodass die Patient:innen dort entsprechend weitergeleitet werden müssten.

 

Beispiele für geeignete Tools sieht die DGPPN international durchaus. Orientieren könne man sich insbesondere an dem Angebot 111 des National Health Service in Großbritannien. Dieses Tool, so die Fachgesellschaft, scheine benutzerfreundlich und barrierearm zu sein, und es integriere systematisch die psychische Gesundheit in die medizinische Ersteinschätzung.

 

Weitere Informationen

Stellungnahme der DGPPN zur digitalen Ersteinschätzung im Primärversorgungssystem 2026-02-01_DGPPN_Empfehlungen Digitale Ersteinschätzungstools.pdf