Die Ablation bei Vorhofflimmern gehört zu den großen kardiologischen Erfolgsgeschichten der letzten zwanzig Jahre. Es gibt aber noch immer viele Problemkonstellationen. Eine davon ist das persistierende, also anhaltende Vorhofflimmern, bei dem die Erfolgsquoten längst nicht so gut sind wie beim paroxysmalen, also gelegentlich auftretenden Vorhofflimmern. Ein Ansatzpunkt für Verbesserungen ist der Einsatz von KI-basierter Software, die den Elektrophysiolog:innen hilft, die optimalen Ablationsareale zu identifizieren.
Beim ESC-Kongress 2025 in Madrid stellte Prof. Dr. Daehoon Kim von der Kardiologie am Yonsei Universitätsklinikum in Seoul jetzt einen anderen Ansatz vor, der über die rein datenbasierte KI-Prädiktion von Zielstrukturen für die Ablation nochmal deutlich hinausgeht. Im Rahmen der randomisierten, Investigator-initiierten CUVIA PPR Studie wurde eine Therapiestrategie genutzt, bei der die Ablation in Teilen mit Hilfe eines patientenindividuellen digitalen Zwillings gesteuert wurde.
Die dahinterliegende Hypothese ist, dass externe Trigger außerhalb des beim Standardverfahren, der Pulmonalvenenisolation, adressierten Pulmonalvenenareals für die regelhaften Rezidive nach Ablation mitverantwortlich sind. Diese Triggerareale bestehen aus einer sogenannten „Phasen-Singularität“ (Phase Singularity Punkt, PS) im Zentrum, umgeben von rotierenden elektrischen Wellen, so genannte Rotoren, die Vorhofflimmern triggern bzw., im Falle des persistierenden Vorhofflimmerns, aufrechterhalten können.
Die PS und deren umliegende Areale sind abladierbar, also für eine Kathetertherapie im Prinzip zugänglich. Sie müssen allerdings bei der initialen Ablation erst einmal identifiziert werden. Das ist gar nicht so einfach, unter anderem weil die aus dem elektrophysiologischen Mapping stammenden „Vorhoflandkarten“ diesbezüglich relativ schwierig zu interpretieren sind. Die Südkoreaner:innen nutzen jetzt einen digitalen Zwilling, um entsprechende Areale zu identifizieren. Konkret wird das individuelle Patientenherz auf Basis von MRT- und Elektrophysiologie-Datensätzen virtuell nachgebildet und mit einem physiologischen Modell für die Erregungsausbreitung am Herzen hinterlegt. Auf diese Weise können Reizentstehung und Reizausbreitung – anders als bei der „normalen“ KI-gestützten Ablation – hochindividuell simuliert werden. Prinzipiell ist es sogar denkbar, Ablationen vorab zu simulieren, um deren Erfolgschancen besser abzuschätzen.
Die Ergebnisse der CUVIA PPR Studie, einer randomisierten Pilotstudie mit 304 Patient:innen, deuten darauf hin, dass das funktionieren könnte – und damit würde sich für Menschen mit dem problematischen, persistierenden Vorhofflimmern eine spannende Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten andeuten. Konkret gelang es bei 45 % der Patient:innen im Interventionsarm, mit Hilfe des digitalen Zwillings PS-Punkte zu detektieren, die dann abladiert wurden. Nach einem Jahr waren im Interventionsarm 80,6 % der Patient:innen ohne Rezidiv, gegenüber 68,0 % bei Standardversorgung, was hochsignifikant war. Kim zeigte sich in Madrid überzeugt, dass jetzt eine breitere Evaluation von digitalen Zwillingskonzepten in der Rhythmologie erfolgen sollte – zumal die Dauer der Ablation selbst durch die Hinzunahme des digitalen Zwillings nicht wesentlich länger werde.
