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Forschung |

Forensische Bilddaten automatisiert zusammenführen und Befundung nachvollziehbarer machen

Wie lassen sich unterschiedliche forensische Bilddaten zuverlässig zusammenführen und Befunde besser nachvollziehen? Im Forschungsprojekt ICON VirtoFusion entwickeln Fraunhofer IGD und Universität Zürich eine Plattform, die verschiedene Bildgebungsverfahren automatisiert verknüpft, ihre Übereinstimmung prüft und Unsicherheiten sichtbar macht. So sollen reproduzierbare und nachvollziehbare Grundlagen für die forensische Dokumentation und Befundung entstehen.

Prof. Dr. Michael Thali, Hasan Kutlu, Dominic Gascho und Pedro Santos (v. l. n. r.) am Virtoscan-System der Universität Zürich. Im Projekt ICON VirtoFusion entwickeln Universität Zürich und Fraunhofer IGD gemeinsam neue Ansätze für die automatisierte und nachvollziehbare Zusammenführung forensischer Bilddaten. Bild: © Universitiät Zürich

Forensische Bilddaten werden bislang häufig mit unterschiedlichen Systemen erhoben und anschließend überwiegend manuell zusammengeführt. Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD und das Virtopsy Research Lab der Universität Zürich (UZH) wollen diesen Prozess weiterentwickeln. Im gemeinsamen Forschungsprojekt ICON VirtoFusion entsteht eine Plattform, die unterschiedliche Bilddaten automatisiert erfasst, kalibriert, räumlich zuordnet und auswertet. Ziel sind reproduzierbare und gerichtlich nachvollziehbare Grundlagen für die forensische Dokumentation und Befundung.

 

CT, 3D-Oberfläche und multispektrale Bildgebung automatisiert zusammenführen

ICON VirtoFusion – Correlation-Validated Sensor Fusion for Reliable Forensic Findings – verbindet postmortale Computertomographie, farbkalibrierte optische 3D-Oberflächendokumentation und multispektrale Bildgebung. Die Plattform soll die Konsistenz zwischen inneren und äußeren Befunden systematisch prüfen, Unsicherheiten sichtbar machen sowie Herkunft und Verarbeitung der Daten nachvollziehbar dokumentieren.

 

Auf Seiten der Universität Zürich wird das Projekt von Prof. Dr. Michael Thali geleitet. Das Virtopsy Research Lab stellt seine langjährige Erfahrung in virtueller Autopsie, postmortaler Bildgebung und forensischer Dokumentation zur Verfügung. Dominic Gascho verantwortet zentrale Arbeiten zur Validierung der multimodalen Registrierung und zur Korrelation der verschiedenen Bilddaten.

 

„Für die forensische Bildgebung sind hohe Befundqualität, Reproduzierbarkeit und Nachvollziehbarkeit entscheidend“, betont Prof. Dr. Michael Thali. „Mit ICON VirtoFusion wollen wir innere und äußere Befunde methodisch enger verknüpfen und die digitale forensische Dokumentation weiterentwickeln.“

 

Übereinstimmung der Bilddaten wird systematisch geprüft

Das Fraunhofer IGD bringt seine Expertise in autonomer 3D-Digitalisierung, multimodaler Sensorfusion, Kalibrierung und Qualitätssicherung ein. Hasan Kutlu vom Fraunhofer IGD verantwortet wesentliche Arbeiten zur technischen Systemintegration sowie zur automatisierten Erfassung und Kalibrierung der Bilddaten. Pedro Santos koordiniert als Projektleiter am Fraunhofer IGD den Institutsbeitrag und die technische Zusammenarbeit mit der Universität Zürich.

 

Dabei geht die geplante Lösung über eine rein visuelle Überlagerung der Bildmodalitäten hinaus. „Ihre Übereinstimmung wird systematisch geprüft, während Qualität, Unsicherheiten und Verarbeitungsschritte über die gesamte Prozesskette hinweg nachvollziehbar dokumentiert werden“, erläutert Hasan Kutlu.

 

Forensische Expertise trifft auf Sensorfusion und 3D-Digitalisierung

Im Projekt bündeln beide Partner ihre jeweiligen Kernkompetenzen und Ressourcen: Die Universität Zürich stellt die klinisch-forensischen Anforderungen, übernimmt die Validierung im praktischen Umfeld und steuert ihre Expertise und Infrastruktur im Bereich Virtopsy bei. Das Fraunhofer IGD entwickelt die technischen Grundlagen für automatisierte Erfassung, multimodale Registrierung, Sensorfusion und Qualitätssicherung.

 

ICON steht für International Cooperation and Networking und ist ein Förderinstrument der Fraunhofer-Gesellschaft für strategische internationale Forschungskooperationen. Das Programm unterstützt Fraunhofer-Institute dabei, wissenschaftliche und technologische Kompetenzen gemeinsam mit internationalen Partnerorganisationen in konkreten Forschungsvorhaben zu bündeln, deren Ergebnisse ein erhebliches Potenzial für die Umsetzung in neue Produkte, Dienstleistungen oder kommerzielle Anwendungen bieten.

 

Die Förderung des Fraunhofer-Beitrags folgt dem Prinzip des „Matching Effort“: Der Personalaufwand auf Partnerseite muss dem auf Fraunhofer-Seite entsprechen.

 

Fachübergreifende Expertise begleitet die Entwicklung

Ein interdisziplinär besetztes Advisory Board begleitet ICON VirtoFusion mit wissenschaftlichen, anwendungsbezogenen und strategischen Impulsen. Es vereint Perspektiven aus forensischer Medizin, Radiologie, Physik, Bildgebungs- und Röntgentechnologie, Gesundheitswesen sowie Innovation und Technologietransfer und bildet damit die unterschiedlichen Anforderungen und Fachdomänen des Projekts ab.

 

ICON VirtoFusion startete am 1. Juli 2026 und läuft über 36 Monate. Das gemeinsame Forschungsprojekt des Virtopsy Research Lab der Universität Zürich und des Fraunhofer IGD wird durch einen Fraunhofer-ICON-Grant unterstützt.

Weitere Informationen

ICON VirtoFusion Virtuelle Autopsie mit Sensorfusion – Fraunhofer IGD


Quelle: Fraunhofer IGD