Das Herzinsuffizienz-Telemonitoring arbeitet bisher schwerpunktmäßig mit täglicher gewichtsbasierter Überwachung. Das hat Grenzen, weil das Körpergewicht kein besonders guter Frühindikator für eine Dekompensation ist. Zu viele andere Faktoren spielen mit hinein. Deswegen werden schon länger ergänzende Biomarker evaluiert und teils aktiv genutzt. Am etabliertesten sind Messwerte von kardialen Implantaten. Allerdings hat nicht jeder Herzinsuffizienzpatient ein Implantat. Und ein solches eigens für das Telemonitoring einzubauen, das hat sich bisher nicht oder allenfalls punktuell durchgesetzt.
Ein spannender, nicht-invasiver Biomarker ist die Stimmanalyse. Hier ist beispielsweise das in Berlin und Boston ansässige Unternehmen Noah Labs engagiert, das sich nicht nur, aber auch der Indikation Herzinsuffizienz angenommen hat. Die europäische Zulassung für einen ersten Voice-Biomarker im Kontext des Herzinsuffizienz-Telemonitorings werden für Mitte 2027 erwartet, so eine Sprecherin des Unternehmens zu E-HEALTH-COM.
Zugrunde liegt dem die kürzlich im European Journal of Heart Failure publizierte TIM-HF3 Studie, die am Deutschen Herzzentrum Berlin und zwei weiteren Zentren unter der Ägide von Prof. Friedrich Köhler stattfand, der auch die TIM-HF2-Studie verantwortet hatte, die dazu geführt hatte, dass das Herzinsuffizienz-Telemonitoring im deutschen Gesundheitswesen regulär erstattet werden kann.
Die TIM-HF3-Studie untersuchte, ob kurze, einmal wöchentliche Aufnahmen eines Vokals, konkret „i“, die Vorhersage einer Dekompensation im Rahmen des Herzinsuffizienz-Telemonitorings verbessern kann. Es handelte sich um eine prospektive Kohortenstudie, bei der alle 105 teilnehmenden Patient:innen in zwei Überwachungsprogramme eingeschlossen wurden. Das eine war ein reguläres Telemonitoring-Programm mit täglicher Übermittlung von Gewicht, Blutdruck, EKG und selbst eingeschätztem Gesundheitszustand. Das zweite war ein rein sprachbasiertes Überwachungsprogramm.
Die Ergebnisse waren beachtlich: Der Stimmanalysealgorithmus erkannte 21 von 25 Krankenhauseinweisungen vorab, eine Sensitivität von 84 %, wobei die mediane Zeit zwischen Alarm und Ereignis 29 Tage betrug. Die tägliche gewichtsbasierte Überwachung kam nur auf 9 von 25 Ereignissen, eine Sensitivität von 36 % mit einer medianen Alarm-zu-Ereignis-Zeit von 13 Tagen. Nun ist Sensitivität nicht alles, aber auch bei der Spezifität sahen die Ergebnisse aus Sicht des Voice-Biomarkers gut aus: Es gab eine unerklärte Alarm-Rate von 2,6 Alarmen pro Patientenjahr, gegenüber 6,1 beim gewichtsbasierten Monitoring.
Im Rahmen einer Präsentation bei der ESC Heart Failure Tagung 2026 präsentierte der Berliner Kardiologe und Noah Labs Mitgründer Dr. Leonhard Riehle eine Overlap-Analyse, die den potenziellen klinischen Impact eines zusätzlich genutzten Voice-Biomarkers veranschaulichte. Demnach wurden 2 von 25 Dekompensationen von beiden Monitoring-Programmen nicht detektiert, und 7 wurden von beiden detektiert. 14 Episoden wurden ausschließlich von der Voice-Überwachung, 2 Episoden ausschließlich von der Gewichtsüberwachung vorhergesagt.
„TIM-HF2 hat den Wert eines strukturierten Fernmonitorings bei Herzinsuffizienz etabliert. TIM-HF3 Voice zeigt nun, dass die Stimmanalyse diesem Rahmen ein niedrigschwelliges Detektionssystem hinzufügt – mit einer Sensitivität und einer Vorlaufzeit, die konventionelles nicht-invasives Monitoring allein nicht erzielen kann“, so Telemonitoring-Experte und Senior-Autor Köhler. „Der nächste Schritt besteht darin, die Stimme in bestehende Fernversorgungspfade zu integrieren und in einer interventionellen Studie zu testen, ob diese frühere Warnung zu weniger Hospitalisierungen führt."
Weitere Informationen:
Originalpublikation der TIM-HF3 Studie
https://academic.oup.com/eurjhf/advance-article-abstract/doi/10.1093/ejhf/xuag203/8710925
