Versorgungsbedarf vor technischer Festlegung
Das an der Universität Paderborn entwickelte partizipative Nutzer:innen-Involvierungsmodell PARTI trennt das Verständnis eines Versorgungsproblems von der Entwicklung einer technischen Lösung. Zunächst sollen die Beteiligten klären, welches Problem besteht, wen es betrifft und wie dringlich es ist. Erst anschließend werden Lösungskonzepte entwickelt und mit Nutzer:innen schrittweise überprüft.
Für den Umgang mit Interessenkonflikten sieht PARTI sogenannte Win-Conditions vor. Sie beschreiben, welche Bedingungen für die beteiligten Gruppen erfüllt sein müssen, damit eine Lösung für sie akzeptabel ist. Als ärztliches Beispiel nennt das Whitepaper einen schnellen, reibungslosen und in den Praxisablauf integrierbaren Zugriff auf relevante Patientendaten. Solche Anforderungen sollen früh erfasst und mit anderen Interessen, etwa Sicherheitsanforderungen, nachvollziehbar abgewogen werden.
Grundlage des Modells sind Interviews und Workshops mit Nutzer:innen, Herstellern und weiteren Akteuren der TI sowie die Auswertung von Dokumenten und des Zulassungsverfahrens. Eine ergänzende Literaturrecherche bezog 40 relevante Publikationen ein. Zu den daraus abgeleiteten Empfehlungen gehören frühe Beteiligung, wiederholte Test- und Feedbackschleifen sowie die Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzergruppen.
Ansatzpunkte für die radiologische Praxis
Für Radiolog:innen lässt sich daraus ableiten, Anforderungen an den Zugriff auf Patientendaten und die Einbindung digitaler Anwendungen in klinische Abläufe bereits vor der technischen Festlegung einzubringen. Das Modell bietet dafür Ansatzpunkte durch die gemeinsame Erfassung von Versorgungsproblemen, die Prüfung von Prototypen und Rückmeldungen aus der späteren Nutzung. Diese Übertragung auf die Radiologie ist eine redaktionelle Einordnung der im Whitepaper beschriebenen Ansätze.
Beteiligung braucht Rückmeldung und Zeit
Ein weiterer Befund aus den Interviews und Workshops ist der hohe Zeitaufwand der Beteiligung für Nutzer:innen und Hersteller. Das Whitepaper schlägt deshalb eine Online-Feedback-Plattform mit kurzen, zielgruppengerechten Formaten vor. Sie soll auch sichtbar machen, wie Beiträge in Entscheidungen und Änderungen einfließen. Ergänzend sieht PARTI einen TI-Beirat aus Bürger:innen und Expert:innen vor, der zentrale Entscheidungen zur Priorisierung und zu technischen Spezifikationen prüft.
Für die Umsetzung empfehlen die Autor:innen eine schrittweise Pilotierung ausgewählter Modellbestandteile. Die angestrebten Vorteile, darunter höhere Akzeptanz und weniger späte Anpassungen, sind als Zielsetzungen des Modells einzuordnen. Das Whitepaper präsentiert hierzu keine quantifizierte Wirksamkeitsmessung.
Whitepaper Von Versorgungsbedarfen bis zur digitalen Lösung: Wie PARTI Nutzer-Involvierung in der TI skalierbar macht
Das partizipative Nutzer:innen-Involvierungsmodell (PARTI) trennt Problem- und Lösungsraum, verankert Win-Conditions zur frühen Konfliktauflösung und schafft Governance-Mechanismen, die Hersteller- und Nutzer:innen-Involvierung systematisch in der Telematikinfrastruktur (TI) verankern.
Über das Projekt
Das Projekt „HowToDIGITAL – Digitale Kompetenzen und Entwicklung digitaler Tools für die stationäre und ambulante Versorgung“ untersucht, wie digitale Anwendungen besser auf die Anforderungen der Versorgungspraxis abgestimmt werden können. Im Fokus stehen die Beteiligung von Gesundheitspersonal an der Entwicklung und die Förderung digitaler Kompetenzen, insbesondere in der Radiologie und Gynäkologie. Die DRG ist Partner des von der Universität Göttingen geleiteten und durch den Innovationsfonds beim G-BA geförderten Projekts.
Quelle: DRG
