Wie ist der Stand bei der ePA im Krankenhaus?
Für Krankenhäuser war eine flächendeckende Nutzung zum 1. Oktober von vornherein illusorisch. Derzeit erwarten wir eine flächendeckende Nutzung nicht vor Ende des ersten Quartals 2026.
Ab 1. April 2026 droht eine Kürzung der TI-Pauschalen. Ist das für die Häuser relevant?
Wir haben schon den Eindruck, dass der Druck spürbar ist. Die TI-Pauschale ist vielleicht nicht das Hauptthema, aber schon ein Thema. In einem durchschnittlich großen Krankenhaus können das 50 000 Euro pro Jahr sein. Vor allem sind die Krankenhäuser aber davon überzeugt, dass die ePA aus Versorgungssicht eine gute Sache ist. Stationäre Versorger wollen die ePA haben, es ist nur komplexer als in einer Arztpraxis.
Inwiefern?
Die technische Inbetriebnahme ist vielschichtig und komplex. Im Moment reden alle über die KIS-Anbindung, aber viele Krankenhäuser müssen perspektivisch auch Drittsysteme anbinden. Hinzu kommt, dass viele ePA-relevante Dokumente aus abteilungsspezifischen Systemen kommen. Hier stellt sich u. a. die Frage, wie die Metadatenbelegung funktioniert und wer für die für eine ePA-Nutzung nötige Konvertierung in das PDF/A-Format zuständig ist. Am einfachsten wäre es, wenn die Konvertierung in den ePA-Systemen vorgenommen würde, aber das wird von der gematik abgelehnt. Auch der Virenschutz ist ein heikles Thema in einem Umfeld, das regelmäßig unter die Regelungen von z. B. KRITIS und NIS 2 fällt. Aufseiten der ePA-Server gibt es abseits der Einschränkung auf das PDF/A-Format keinen Virenschutz. Krankenhäuser müssen die Dokumente deswegen vor dem Download scannen. Dafür gibt es aber keine einheitlichen Vorgaben und Lösungen.
Wo sehen Sie noch politischen Änderungs- bzw. Präzisierungsbedarf?
Neben einer stärkeren Fokussierung auf Betriebsstabilität, Performance und Nutzerfreundlichkeit ist der situative Widerspruch ein Thema, also der Anspruch, dass Versicherte schon vor Ort dem Upload einzelner Dokumente oder Diagnosen widersprechen dürfen. Das sollte eigentlich keine Krankenhausaufgabe sein. Das sollte jeder selbst machen, über die ePA-App oder die Ombudsstelle der Krankenkassen. Ein anderes Thema sind Notfallszenarien, z.B. der Umgang mit der ePA im Rettungsdienst. Mit zunehmenden Nutzungsgrad werden auch Anwendungen, z.B. KI-Anwendungen, nötig werden, die die Inhalte der ePA vorstrukturieren. Das ist technisch möglich, bisher aber noch nicht vorgesehen. Ein höheres Strukturierungsniveau der Daten in der ePA sowie die Integration von Bilddaten wären auch wichtige nächste Schritte.
Das Interview führte Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM.
