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Medizin |

Senioren-Bewegungsspiel mit virtuellen Welten

Die Technische Hochschule Brandenburg macht virtuelle Rehabilitation

Quelle: THB/Parsch

Ein aktuelles Projekt der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) auf dem Gebiet der Medizininformatik unter der Leitung von Prof. Dr. Eberhard Beck und Prof. Dr. Thomas Schrader kombiniert ein Gleichgewichtstraining mit einem Gedächtnistraining. Beides kann Seniorinnen und Senioren helfen, länger selbstständig zu bleiben und vor allem das Sturzrisiko zu verringern und die Gedächtnisleistung zu erhalten.

Kürzlich hat eine Forschergruppe um Dr. Katja Orlowski ein selbst entworfenes Bewegungsspiel mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Senioreneinrichtung Geschwister Pape GmbH in Brandenburg an der Havel getestet. Bei dem Spiel verlagern die Teilnehmenden auf einer Kraftmessplatte ihren Körperschwerpunkt und steuern so Geschehnisse auf einem Bildschirm. Bei einer Fokusgruppe mit Seniorinnen und Senioren mit beginnender Demenz steht ein älterer Herr auf einer schwarzen Platte, auf der die Umrisse von Füßen aufgeklebt sind. Wenn er seinen Körper etwas nach rechts verlagert, erscheinen rötliche Blasen, nach vorne bläuliche, nach hinten grüne. Auf diese Weise lernen die Teilnehmenden das Prinzip des Bewegungsspiels kennen. Kurz darauf darf eine Bewohnerin das neue Spiel, eine Art Memory, testen: Auf dem Bildschirm zu sehen sind gleichfarbige Plättchen, die durch Gewichtsverlagerung umgedreht werden. Nach und nach erscheint ein Bildmotiv, das die Teilnehmenden früher oder später erkennen. „Das Spiel kann für einzelne Personen individualisiert werden“, erklärt Dr. Orlowski. „So können wir Bilder aus dem Familienalbum oder aus der Heimatstadt einbinden.“ Die regelmäßige Gewichtsverlagerung soll unter anderem dazu führen, dass die Teilnehmenden sich sicherer bewegen und sich besser abfangen können, wenn sie zu fallen drohen. Auch Musik wird eingebunden, auch sie ist individuell anpassbar: Wenn die Seniorinnen und Senioren sich zu wenig bewegen, wird die Musik zunächst leiser und ist schließlich gar nicht mehr zu hören. Dies ist ein weiterer Anreiz für die Teilnehmenden, sich zu bewegen. Das Projekt zur Entwicklung von Gleichgewichtstrainings geht auf eine Initiative der THB gemeinsam mit der HNO-Klinik des Städtischen Klinikums Brandenburg unter der Leitung von Dr. Birgit Didczuneit-Sandhop zurück. Weitere Projektpartner sind das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) unter Leitung von Frau Prof. Dr. Christine Holmberg, die Sozial- und Präventivmedizin der Universität Potsdam geleitet von Prof. Dr. Dr. Michael Rapp und das Institut III – Bereich Sportwissenschaft der Universität Magdeburg vertreten durch Prof. Dr. Kerstin Witte. Auch mit dem Seniorenbeirat der Stadt Brandenburg an der Havel hat es erste Gespräche sowie Vorstellungs- und Diskussionsrunden gegeben. Ziel ist es, die zukünftigen Nutzer in die Entwicklung miteinzubinden und deren Wünsche, Bedürfnisse und Anforderungen für eine Langzeitmotivation zu berücksichtigen. Das geschilderte Bewegungsspiel ist eines von dreien, die mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Senioreneinrichtung Geschwister Pape GmbH getestet worden sind. Es wird im Rahmen eines Praktikums und der Bachelorarbeit der Studentin Gina-Maria Gräfe gemeinsam mit Anne Biermann (beide Bachelorstudiengang Medizininformatik) entwickelt und evaluiert. Außerdem gibt es bereits zwei Spiele: den „Waldspaziergang“ in Form einer virtuellen Welt, in der ein Avatar bewegt wird, um im Wald Personen (z.B. Angehörige) oder Objekte zu finden, und „BalanceBall“, ein Spiel, bei dem ein Spieler eine Kugel auf einem Spielfeld durch Verlagerung des Körperschwerpunkts bewegt, um so Objekte wegzustoßen. Ziel ist es, die drei Level mit verschiedenen Objekten und Anordnungen auf dem Spielfeld so schnell wie möglich zu absolvieren. Das Projekt der Entwicklung von Spielen für Seniorinnen und Senioren, die über die Verlagerung des Körperschwerpunkts gesteuert werden, befindet sich derzeit in der Pilotphase.