Das öffentliche Gesundheitswesen soll digitale Lösungen nutzen und neue Technologien einsetzen. Gleichzeitig fehlen vielerorts noch die Voraussetzungen dafür: Systeme sind nicht ausreichend verbunden, Daten schwer zugänglich und Prozesse durch Medienbrüche geprägt.
Die Studie „Wegweiser Digitalisierung im öffentlichen Gesundheitswesen“ untersucht, wie Verantwortliche aus dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, Public-Health-Institutionen und dem Bereich der Leistungserbringer die aktuelle Situation bewerten. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Wo liegen die größten Hürden? Welche Themen versprechen den größten Effekt? Und welche Voraussetzungen braucht es für den nächsten Schritt?
Interoperabilität im Fokus
80 Prozent der Befragten sehen Interoperabilität und fehlende Standards als größte Herausforderung der kommenden Digitalisierungsphase. Nicht neue Technologien allein entscheiden, sondern das Zusammenspiel bestehender Systeme und Organisationen. In den offenen Antworten wird das konkret: Gewünscht sind verbindliche Standards, einheitliche Schnittstellen und ein Datenaustausch ohne Medienbrüche. Die Befragten verbinden damit weniger Doppelarbeit, kürzere Bearbeitungszeiten und bessere Entscheidungsgrundlagen.
Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität ist, zeigt ein zweiter Wert: 97 Prozent erwarten von einheitlichen Workflows und Fachverfahren einen hohen Nutzen für ihren Arbeitsalltag. Nur 10 Prozent erleben derzeit, dass dieses Thema ausreichend Aufmerksamkeit bekommt. KI und datenbasierte Anwendungen eröffnen neue Möglichkeiten für Analyse und Entscheidungsunterstützung, ihr Nutzen hängt aber genau an dieser Stelle: an Datenqualität und zuverlässiger Systemkommunikation.
Damit Standards in der Praxis ankommen, braucht es laut Studie auch Befähigung und Veränderungsmanagement: Menschen müssen neue Prozesse verstehen und anwenden können, nicht nur neue Technik bedienen.
"Das deutsche Gesundheitssystem kann leistungsfähiger, verlässlicher und unbürokratischer werden. Ein echter Fortschritt ist nur möglich, wenn wir Digitalisierung über Sektorengrenzen hinweg denken. Und wenn wir aufhören, Digitalisierung als Selbstzweck zu begreifen."
Dr. Eckart Pech, CBO Health
Top-3-Handlungsfelder
Aus der Studie leiten sich drei zentrale Handlungsfelder ab: Verbinden (Interoperabilität und Standards), Vereinfachen (einheitliche Workflows, weniger Doppelerfassung und moderne IT-Architekturen) und Befähigen (Veränderungsmanagement und Qualifizierung). Die nächste Phase der Digitalisierung wird demnach nicht allein durch neue Anwendungen geprägt sein. Entscheidend ist, ob Standards, Daten, Prozesse und Organisationen so zusammenspielen, dass digitale Lösungen im Alltag verlässlich genutzt werden können.
Über die Studie
Die Studie „Wegweiser Digitalisierung im öffentlichen Gesundheitswesen“ wurde im Auftrag der ]init[ AG von INNOFACT AG durchgeführt. Befragt wurden 106 Führungskräfte und Entscheider:innen mit Verantwortung für Digitalisierungsentscheidungen, digitale Prozesse oder Schnittstellen aus dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (n=30), aus Public-Health-Institutionen auf Bundesebene (n=26) und von Leistungserbringern (n=50).
Im Mittelpunkt standen dabei die Fragen: Wo liegen die größten Hürden? Welche Themen versprechen den größten Effekt? Und welche Voraussetzungen braucht es für den nächsten Schritt? Die Feldzeit lag zwischen dem 16. Juli und dem 17. August 2026. Die Interviews wurden computergestützt telefonisch (CATI) auf Basis eines standardisierten Fragebogens geführt. Die Stichprobe ist gezielt zusammengestellt und nicht repräsentativ; die Ergebnisse zeigen Tendenzen und Wahrnehmungen der befragten Entscheider:innen.
Weitere Informationen zur Studie unter
https://www.init.de/einblicke/whitepaper/wegweiser-digitalisierung-gesundheitswesen
