Remote-Optionen sind nicht nur im beruflichen Alltag, sondern auch in medizinischen Kontexten komfortabel. Ein Beispiel sind die Herzsportgruppen bzw. kardiologischen Reha-Gruppen. Hier könnten zentrenbasierte Übungseinheiten nicht nur vor Ort angeboten, sondern auch gestreamt werden. Lohnt dieser Aufwand über den reinen Komfortgewinn für die Patientinnen und Patienten hinaus? Steigen zum Beispiel die Teilnahmeraten an? Immerhin ist es aufwändig und kostet ein wenig Geld, einen medizinischen Sportkurs zusätzlich live zu übertragen, um den Patient:innen eine Teilnahme im Wohnzimmer zu ermöglichen.
Reha-Compliance lässt oft zu wünschen übrig
Untersucht hat das die Cluster-randomisierte Real-World Studie Remote Exercise SWEDEHEART der schwedischen Herz-Lungen-Stiftung und der Region Västra Götaland. Prof. Maria Bäck vom Physiotherapie-Programm der Universität Linköping stellte die Ergebnisse beim Kongress der European Society of Cardiology in München vor. Der Hintergrund der ganzen Sache ist, dass die Teilnahmeraten an zentrenbasierten, ambulanten medizinischen Sportprogrammen im weitläufigen Schweden und vermutlich auch anderswo nicht sehr hoch sind. Nur ungefähr 15 % aller Teilnehmer:innen, die irgendwann mal beginnen, machen bei solchen typischerweise mehrmonatigen Reha-Programmen wirklich konsequent mit bzw. bringen sie zu Ende.
Im Rahmen der Remote Exercise SWEDEHEART Studie wurde den Patient:innen ermöglicht, an Live-Sporteinheiten auch per Streaming teilzunehmen. Das Ganze lief so, dass 23 ambulante Reha-Zentren randomisiert wurden. In der Hälfte der Zentren wurden das Standardprogramm angeboten, also ausschließlich zentrenbasierte Sitzungen. In der anderen Hälfte der Zentren konnten die Teilnehmer:innen wählen, ob sie immer ins Zentrum kommen, immer remote teilnehmen oder beides anlassbezogen kombinieren wollten. Das ganze lief über 15 Monate, danach wurden die Zentren im Sinne eines Cross-over-Studiendesigns geswitcht.
Wer motiviert ist, mag die Remote-Option
Insgesamt nahmen 3112 Patient:innen im Rahmen der Studie an Sportgruppen teil, im Mittel waren sie 66 Jahre alt. Medizinisch unterschieden sich beide Gruppen nicht, die gemessenen Vitalwerte bzw. die Belastbarkeit verbesserten sich gleichmäßig in beiden Gruppen. Schwere Zwischenfälle gab es so gut wie gar nicht, weder zu Hause noch im Zentrum. Was es allerdings auch nicht gab, waren relevante Unterschiede bei den Teilnahmequoten. Insgesamt 13,8 % der Patient:innen in den Zentren mit Remote-Option hatten eine hohe Trainings-Compliance, d.h. sie absolvierten ihr komplettes Trainingsprogramm. In den Zentren ohne Remote-Option war die Quote mit 13,6 % nahezu exakt genauso hoch.
Gut genutzt wurde die Remote-Option durchaus: War sie verfügbar, dann wurde sie bei immerhin 38 % der Übungs-Sessions auch wahrgenommen. Mit anderen Worten: Diejenigen, die ohnehin Reha-affin sind und meistens mitmachen, freuten sich über die Möglichkeit, öfter auch mal auf Distanz teilnehmen zu können. Diejenigen, die nicht motiviert waren, konnte auch die Remote-Option nicht davon überzeugen, mehr zu tun. „Remote-Training sollte als zusätzliches, patientenzentriertes Angebot verstanden werden. Es kann nicht im Alleingang niedrige Teilnahmeraten verbessern“, so Bäcks Fazit in München.
