Corti, das europäische Forschungs- und Entwicklungsunternehmen für kliniktaugliche KI, arbeitet mit NHS Grampian zusammen, um erstmals KI-gestützte automatische Gesprächsdokumentation in Schottland einzuführen. Damit weitet Corti seine Zusammenarbeit mit NHS Trusts im gesamten Vereinigten Königreich aus.
Das Pilotprojekt wird vom Innovation Hub von NHS Grampian geleitet und von der Aberdeenshire Health and Social Care Partnership unterstützt. Es findet auf der Station Donbank des Inverurie Hospital im Nordosten Schottlands statt. Dort erproben Pflegekräfte Cortis Technologie zur automatisierten Gesprächsdokumentation in der direkten Patientenversorgung. Ziel ist es, den Dokumentationsaufwand zu verringern und die gewonnene Zeit wieder für die Versorgung der Patienten zu nutzen.
Nach ersten Rückmeldungen des Stationsteams ist der Zeitaufwand für die Dokumentation um fast 70 Prozent gesunken. Dadurch können sich die Pflegekräfte in Gesprächen stärker auf die Patienten konzentrieren. Zudem hat sich die Qualität der Informationen verbessert, die bei Schichtübergaben weitergegeben werden. Katie Anderson, pflegerische Stationsleitung und Leiterin des Pilotprojekts, spricht von einem „gewaltigen Unterschied“.
Der NHS ist mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand konfrontiert, der vielfach belegt ist. Medizinisches Fachpersonal verbringt jede Woche viele Stunden damit, Patientenkontakte im Nachhinein zu rekonstruieren. Diese Zeit fehlt unmittelbar bei der Patientenversorgung. Technologien zur automatisierten Erfassung und Dokumentation klinischer Gespräche können dazu beitragen, diesen Aufwand zu verringern.
Dokumentation parallel zur Versorgung
Cortis Technologie zur automatisierten Gesprächsdokumentation erfasst Gespräche zwischen klinischem Personal, Patienten und Angehörigen. Daraus erstellt sie strukturierte klinische Dokumentationseinträge, die Pflegekräfte vor der Freigabe prüfen und bearbeiten. Ein gesondertes Diktat oder eine nachträgliche schriftliche Rekonstruktion des Gesprächs entfällt. So können sich die Pflegekräfte während des Gesprächs stärker auf die Patienten konzentrieren.
Nach Angaben des Stationsteams verändert dies auch die Qualität der Gespräche. Patienten sprechen häufiger persönliche Gedanken, emotionale Anliegen und weitere Themen an, die bei einem stark auf die Dokumentation ausgerichteten Patientenkontakt nicht immer zur Sprache kommen. Eine Patientin berichtete, dass das Transkript ihre tatsächlichen Gefühle erfasst habe und nicht nur eine klinische Zusammenfassung des Geschehens.
„Früher mussten wir versuchen, uns daran zu erinnern, was während der Beobachtungen gesagt wurde, und dies später dokumentieren. Die Technologie entlastet uns gedanklich, sodass wir wirklich gute Gespräche führen können“, beschreibt Katie Anderson die Veränderung. „Die Mitarbeiter geben sehr positive Rückmeldungen zu den bedeutungsvollen Gesprächen, zu denen sie durch die Technologie angeregt wurden. Früher war die Dokumentation häufig stark auf Aufgaben ausgerichtet und beruhte eher auf Beobachtungen als auf Gesprächen. Die Technologie verändert grundlegend, wie wir die Patientenversorgung reflektieren.“
Ein weniger offensichtlicher Vorteil zeigt sich bei der Schichtübergabe. Wenn Dokumentationseinträge unmittelbar aus dem Gespräch entstehen, müssen die Inhalte nicht erst im Nachhinein rekonstruiert werden. Nach den bisherigen Erfahrungen auf der Station Donbank verbessern sich dadurch Umfang und Genauigkeit der Informationen, die zwischen den Teams weitergegeben werden. Dies unterstützt die Kontinuität der Versorgung über Schichtwechsel hinweg.
Klinische Sprache und regionale Dialekte zuverlässig erfassen
Die klinische Spracherkennung stellt dabei besondere Anforderungen. Das Fachvokabular ist hoch spezialisiert, die akustischen Bedingungen sind anspruchsvoll und eine hohe Genauigkeit ist unerlässlich. Cortis Modelle werden gezielt mit klinischer Sprache trainiert. Sie sind darauf ausgelegt, die für die Versorgung relevanten Einzelheiten zu erfassen, statt lediglich allgemeine Transkriptionen zu erstellen. Ziel sind Dokumentationseinträge, die den Aussagen des medizinischen Fachpersonals entsprechen und wie eine fachlich erstellte Dokumentation formuliert sind.
Das Pilotprojekt weist auch eine regionale Besonderheit auf. Im Nordosten Schottlands wird Doric gesprochen, ein eigenständiger schottischer Dialekt. Das Team der Station Donbank arbeitet daran, das Modell an diesen Dialekt anzupassen. Die Pflegekräfte bearbeiten die Transkripte in Echtzeit. Ihre Korrekturen fließen in den Lernprozess des Modells ein und verbessern schrittweise die Erkennung regionaler Sprachvarianten.
Florian Schwiecker, Chief Partnership Officer bei Corti, besuchte die Station Anfang dieses Jahres. „Bei meinem Besuch auf der Station Donbank hat mich besonders beeindruckt, wie sehr Katies Team die Verantwortung für die Technologie übernommen hat. Die Mitarbeiter bringen dem System Doric bei, gestalten seinen Lernprozess mit und gewinnen dadurch mehr wertvolle Zeit für die Patienten. Genau deshalb gibt es Corti: Wir stellen spezialisierte KI bereit, die versteht, wie Versorgung tatsächlich erfolgt und wo Unterstützung wirklich benötigt wird.“
Auch Teammitglieder, die der Technologie anfangs besonders skeptisch gegenüberstanden, beteiligen sich inzwischen intensiv an ihrer Erprobung und Weiterentwicklung. Die Erfahrungen auf der Station zeigen, dass sich die Bewertung neuer Dokumentationstechnologien verändert, wenn diese den Arbeitsaufwand nachweislich verringern, statt zusätzliche Prozesse zu schaffen.
Entscheidungsgrundlage für erweiterten Einsatz
Der Verwaltungsaufwand beeinflusst, wie viel Zeit medizinisches Fachpersonal für Patienten hat, wie zuverlässig Informationen zwischen Teams weitergegeben werden und wie beide Seiten die Versorgung erleben.
Rebecca Thomson, Project Support Officer im Innovationsteam von NHS Grampian, sagt: „Durch die Aufzeichnung und automatische Zusammenfassung von Patientengesprächen ermöglicht die Technologie den Mitarbeitern eine stärker personenzentrierte Versorgung. Gleichzeitig bleiben eine umfassende klinische Kontrolle und die Patientensicherheit gewährleistet. Corti wurde gezielt für das Gesundheitswesen entwickelt. Wir sind gespannt, welchen potenziellen Nutzen das System unseren Teams im gesamten Versorgungsgebiet von NHS Grampian bieten kann.“
Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt auf der Station Donbank fließen in die weitere Bewertung ein. Auf dieser Grundlage entscheidet NHS Grampian, ob der Ansatz auf weitere Bereiche ausgeweitet werden kann.
Über Corti
Corti ist ein europäische Forschungs- und Entwicklungsunternehmen für kliniktaugliche KI. Symphony ist das führende kliniktaugliche KI-Modell des Unternehmens. Es unterstützt klinische und administrative Anwendungen für EHR-Anbieter, virtuelle Versorgungsplattformen, Praxisverwaltungssysteme und Life-Sciences-Organisationen weltweit. Corti erreicht jährlich über 100 Millionen Patienten in Gesundheitssystemen, einschließlich des NHS. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Kopenhagen und Büros in New York und London.
Weitere Informationen finden sich unter www.corti.ai
