Der Körper erstarrt, die Kontrolle geht verloren, Sekunden werden zu Minuten. Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Störung im Gehirn durch überschießende elektrische Aktivität. Für Außenstehende ist es ein plötzliches Ereignis, für Betroffene Ausdruck einer Erkrankung, die den Alltag dauerhaft prägt. Doch das eigentliche Drama beginnt oft erst danach: Wenn Medikamente nicht oder nicht ausreichend wirken, gilt ein Patient oder eine Patientin als pharmakoresistent. Das betrifft knapp 30 Prozent der Betroffenen [1]. Die Feststellung einer Resistenz gegenüber Medikamenten kann bis zu fünf Jahre dauern [2]. Dann muss eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen und neue Therapieoptionen abgewägt werden.
„In pharmakoresistenten Situationen gibt es selten schnelle oder einfache Antworten“, erklärt Prof. Dr. med. Martin Holtkamp, Medizinischer Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg und Inhaber der Professur für Epileptologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Laut ihm bedürfen solche Entscheidungen viel Zeit: „Wir sprechen über komplexe Abwägungen, die im interdisziplinären Team getroffen werden müssen, mit Blick auf Risiken, Lebensqualität und langfristige Perspektiven.“
Jede therapeutische Entscheidung – ob medikamentös, chirurgisch oder diätetisch – wird zudem dokumentiert und in ihrer Begründung festgehalten. Hinzu kommen zahlreiche Therapieversuche und lange Beobachtungszeiträume. Ressourcen, die durch Personalengpässe und ökonomische Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem zusätzlich unter Druck stehen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie groß die Anforderungen an medizinische Entscheidungsprozesse geworden sind: „Therapieentscheidungen werden immer komplexer und erfordern einen kontinuierlichen Zugang zu neuen Methoden und aktueller Evidenz“, erläutert Karl Stoklosa, CEO von Precisis. Aus seiner Sicht sind deshalb nicht nur Ärztinnen und Ärzte und ihre Patientinnen und Patienten gefordert, sondern auch Medizintechnikunternehmen, die durch Forschung, klinische Studien und die systematische Auswertung von Daten zur besseren Orientierung in der Versorgung beitragen können.
Mehr Optionen, höhere Anforderungen: Therapieentscheidungen im Wandel
Die Therapielandschaft wird offener und vielfältiger. Bei pharmakoresistenter Epilepsie kommen heute epilepsiechirurgische Eingriffe ebenso infrage wie gering-invasive neurostimulative Verfahren. Therapieentscheidungen werden in der Regel evidenzbasiert und interdisziplinär getroffen: In Fallkonferenzen wägen Fachrichtungen gemeinsam Risiken, Nutzen und Lebensperspektiven ab. „Wo möglich, orientieren sich Diagnostik und Therapie an den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Mehr Optionen ermöglichen individuellere Entscheidungen, machen sie aber auch anspruchsvoller“, erklärt Prof. Dr. Holtkamp.
Dass sich neue Therapieansätze zunehmend in der Versorgung etablieren, zeigt sich auch international: Das Neuroimplantat EASEE wird inzwischen in mehreren europäischen Ländern eingesetzt, darunter in Italien und im Vereinigten Königreich. „Diese Entwicklung verweist auf den bestehenden Bedarf an alternativen Behandlungswegen und unterstreicht die Bedeutung belastbarer Daten für fundierte Therapieentscheidungen“, so Karl Stoklosa. Zugleich habe sich der Anteil pharmakoresistenter Verläufe nicht deutlich verringert, weshalb für einige neue nicht-pharmakologische Verfahren derzeit randomisierte kontrollierte Studien zur unabhängigen Wirksamkeitsprüfung liefen, ergänzt Holtkam.
Mehr als Anfallskontrolle: Therapieentscheidungen für junge Patientinnen und Patienten
Wie komplex diese Abwägungen sind, zeigt sich besonders bei jungen Menschen mit Epilepsie. Auch bei ihnen können Medikamente ihre Wirkung verlieren – mit Folgen, die weit über die unmittelbare Anfallskontrolle hinausreichen: „Bei jüngeren Patientinnen und Patienten geht es nicht nur um Anfallskontrolle, sondern um Entwicklung, Selbstständigkeut und Lebensqualität über Jahrzehnte“, erklärt Holtkamp. Gerade nach dem Eintritt einer medikamentösen Therapieresistenz stellt sich daher frühzeitig die Frage nach wirksamen, gleichzeitig aber möglichst schonenden Alternativen. Vor diesem Hintergrund untersucht die Studie EASEE4YOU die Wirksamkeit des Neuroimplantats EASEE von Precisis bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren, um eine gesicherte Datenbasis für diese Altersgruppe zu schaffen.
Stoklosa sieht die Rolle der Medizintechnik dabei nicht allein in der Entwicklung neuer Verfahren. „Unser Beitrag muss sein, Innovationen durch verlässliche Daten, transparente Studien und kontinuierlichen Austausch so in die Versorgung zu bringen, dass sie Ärztinnen und Ärzte bei ihren Entscheidungen unterstützen und Patientinnen und Patienten tatsächlich erreichen“, sagt der CEO von Precisis. „Dabei geht es nicht darum, Innovationen zurückzuhalten, bis jede Frage beantwortet ist, sondern sie verantwortungsvoll und nachvollziehbar dort einzusetzen, wo der klinische Bedarf am größten ist.“
Wie Künstliche Intelligenz Therapieentscheidungen präziser macht
Therapieentscheidungen werden zunehmend datenbasierter und individueller – nicht zuletzt, weil immer mehr klinische Informationen verfügbar sind. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, diese Datenmengen systematisch auszuwerten, Muster zu erkennen und Therapieeffekte besser einzuordnen. „Die Medizin bewegt sich klar in Richtung personalisierter, datengetriebener Entscheidungen“, erklärt Holtkamp. Für Entwickler von Medizintechnik ist das ein langfristiger Prozess: „Die Weiterentwicklung der Neuromodulation und datenbasierter Methoden hat nicht nur für Epilepsie Relevanz, sondern perspektivisch auch für andere neurologische Erkrankungen wie Depression oder Parkinson“ erläutert Precisis-CEO Stoklosa.
Mehr Therapieentscheidungen bedeuten mehr Wissen, Optionen und bessere Strukturen
Am Ende geht es bei all dem technologischen und medizinischen Fortschritt um etwas sehr Konkretes: darum, Entscheidungen in Situationen zu ermöglichen, in denen einfache Antworten fehlen. Gerade bei Patientinnen und Patienten mit medikamentenresistenter Epilepsie entsteht dieser Entscheidungsdruck oft früh und verlangt nach weiterführenden Therapieoptionen. Wenn Evidenz auf Leidensdruck trifft, braucht es Strukturen, die Orientierung geben – und Instrumente, die Komplexität handhabbar machen.
Das Neuroimplantat EASEE ist ein solches Instrument: Es erweitert den therapeutischen Handlungsspielraum genau dort, wo Medikamente nicht mehr ausreichend wirken, und bietet eine wirksame, gleichzeitig schonende Behandlungsoption. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem die Chance auf passgenauere, nachvollziehbare und gemeinsam getragene Therapieentscheidungen. Medizintechnik, klinische Forschung und datenbasierte Methoden werden dabei zunehmend zu einem Teil dieser Entscheidungsarchitektur – nicht als Ersatz für ärztliche Erfahrung, sondern als Grundlage für fundierte, verantwortungsvolle Versorgung. EASEE steht exemplarisch für diesen Ansatz: als Technologie, die Versorgung konkret verbessert und dazu beiträgt, dass mehr Patientinnen und Patienten Zugang zu einer wirksamen Therapie erhalten, wenn Medikamente allein nicht mehr ausreichen.
Über Precisis:
Die PRECISIS GmbH ist ein innovatives Medizintechnikunternehmen mit Sitz in Heidelberg, Deutschland, das sich der Weiterentwicklung neuromodulatorischer Lösungen für Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen widmet. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 hat sich PRECISIS mit dem EASEE®-System – ihrem wegweisenden, minimalinvasiven Gehirnschrittmacher für medikamentenresistente fokale Epilepsie – auf Basis belastbarer klinischer Evidenz etabliert. Ausgezeichnet mit dem renommierten Health-i Award des Handelsblatts für diesen Durchbruch und als Gewinner des Shark Tank-Wettbewerb der American Epilepsy Foundation demonstriert PRECISIS sowohl technologische Exzellenz als auch ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse von Patientinnen, Patienten und behandelnden Ärztinnen und Ärzten.
Mit einem Fokus auf Europa und die Vereinigten Staaten verfolgt das Unternehmen das Ziel, die Lebensqualität weltweit nachhaltig zu verbessern, indem es frühe, wirksame Therapieoptionen bereitstellt und neue Standards in der Neuromodulation setzt.
Weitere Informationen finden Sie unter https://precisis.de
[1] https://www.go-bio.de/gobio/de/gefoerderte-projekte/gobio-initial/_documents/EpiTher.html
[2] https://ucbcares.de/patienten/epilepsie/de/content/805161459/operative-behandlung
