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Krankenhäuser an die ePA – fertig, los

von Christian Schöps 

Datenlieferung hui, Datennutzung pfui? Wieso Krankenhäuser sich mit der elektronischen Patientenakte noch schwertun – und warum sich das ändern muss.

 

Ende März stellte das Deutsche Krankenhausinstitut die Ergebnisse einer repräsentativen Blitzumfrage unter fast 500 Kliniken vor: Nur 57 Prozent erwarten, die ePA noch im ersten Halbjahr 2026 im gesamten Haus nutzen zu können. Knapp drei Wochen später luden gematik und Deutsche Krankenhausgesellschaft gemeinsam zum „Deep Dive ePA Implementierung“ ein – vier Stunden mit dem, was die Krankenhäuser gerade beschäftigt. Das Bild, das beide Veranstaltungen zeichnen, ist dasselbe: Die Häuser kommen in Fahrt. Aber langsam. Langsamer als gedacht, langsamer auch, als viele ambulante Kolleg:innen nachvollziehen können.


Dabei kann man die Langsamkeit durchaus verstehen. Die KIS-Hersteller lieferten ihre ePA-Module teils erst kurz nach dem Pflichtstichtag am 1. Oktober 2025. Die Krankenhaus-IT-Abteilungen steckten bis Jahresende tief in KHZG-Projekten. Und Krankenhausprozesse sind tatsächlich komplexer als die der ambulanten Welt, für die die ePA 3.0 – wie nahezu alle TI-1.0-Anwendungen – konzipiert wurde. Trotzdem ist die Langsamkeit ein Problem. Wer die ePA nicht im Alltag nutzt, merkt nicht nur nicht, was sie bringt. Er merkt auch nicht, wo es noch hakt.


Im Albertinen Krankenhaus merken wir das seit Monaten. Eine Zahl, die mich mehr beschäftigt als alle Implementierungsrückstände: In der zurückliegenden Woche wurden bei uns 1 781 Dokumente für den Upload in die ePA bereitgestellt. Im gleichen Zeitraum erfolgten 17 Dokumentendownloads aus der ePA und ein einziger Download der elektronischen Medikationsliste. Im gesamten Haus. Die Infrastruktur steht. Die klinischen Prozesse laufen an ihr vorbei. 


Dahinter stecken drei Probleme, auf die man sich nicht vorbereiten kann, solange man die ePA nicht wirklich nutzt. Das eine sind die Patient:innen, die nie durch Standardaufnahmeprozesse laufen. Direkte Aufnahmen immobiler Patient:innen in die Geriatrie oder die neurologische Frührehabilitation, Intensivpatienten als Direktverlegungen aus anderen Krankenhäusern. Genau die Menschen, bei denen eine einsehbare ePA den größten Unterschied machen würde, sind am schwierigsten in einen Prozess zu integrieren, der das Einlesen der Gesundheitskarte an einem stationären an die TI angeschlossenen Kartenterminal voraussetzt.


Der nächste pain point: das Gendiagnostikgesetz. Untersuchungsergebnisse, die im Rahmen des Gendiagnostikgesetzes entstanden sind, dürfen nur mit ausdrücklicher schriftlicher Einwilligung in die ePA eingestellt werden. Diese Regelung bezieht ausdrücklich auch Vorbefunde aus Gendiagnostik mit ein. Bei uns als Krankenhaus mit onkologischem Schwerpunkt und großer Gynäkologie ein echtes Thema. BRCA-1/2-Bestimmungen bei Mammakarzinom-Patientinnen sind klinischer Alltag, das Ergebnis ist hochrelevant für die Weiterbehandlung und gehört kommuniziert. Patient:innen mit genetisch bedingten Gerinnungsstörungen nehmen regelhaft Antikoagulanzien ein. Das müssen wir wissen und weiterkommunizieren. Diesen Patient:innen begegnen wir jeden Tag, hier braucht es zusätzliche Prozessschritte, die sich erst noch einspielen müssen. Kein Zufall, dass der Deep Dive diesem Punkt eine eigene Session widmete.


Und dann sind da die 17 ePA-Dokumentendownloads, 17 in einer ganzen Woche. Jahrelang eingeschliffene Abläufe wie Anruf und Fax statt ePA-Zugriff ändern sich nicht, weil das System technisch bereit ist. Sie ändern sich, wenn die ePA zuverlässig das liefert, was man sonst mühsam zusammensucht. Das erfordert Zeit, konsequentes Führen und die Bereitschaft, Abläufe aktiv umzubauen.


Taugt die ePA also nichts? Das glaube ich nicht. Heute habe ich in der ePA einer Patientin die aktuellen Entlassungsbriefe aus dem großen Nachbarkrankenhaus im Hamburger Norden gefunden. Einfach da. Kein Anruf, kein Fax, kein Warten. Es geht also doch. 

 

Autor:

Christian Schöps 

ist Facharzt für Neurologie und Spezielle Schmerztherapie am Albertinen Krankenhaus Hamburg und leitet gemeinsam mit Henrike Müller das Team Digitales Krankenhaus.

Kontakt: christian.schoeps(at)immanuelalbertinen.de