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Versorgung neu denken

von Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM

Wenn nicht alles täuscht, steht dem Gesundheitswesen in Deutschland der größte Umbruch seit Jahrzehnten bevor. Die Einführung eines Primärarztsystems wird ohne ein leistungsfähiges digitales Rückgrat nicht funktionieren. Tatsächlich dürfte am Ende eher ein „Primäronline- (+/- Primärtelefon-)system“ herauskommen. Bei einem solchen System würden zwar die meisten primär in die hausärztliche Versorgung gesteuert. Aber es gäbe auch diverse Abkürzungen, nicht nur Gynäkologie und Pädiatrie, sondern auch z.B. Unfallchirurgie, Psychotherapie, Augenheilkunde. Zudem gilt es, in Richtung Video/Telefon oder Präsenz zu steuern, denn sonst kollabiert die Primärversorgung.


Die zugrundeliegende digitale Plattform muss keine bundesweite Megaplattform sein: Die föderalen Strukturen des Gesundheitswesens sind hier eher hilfreich. Allerdings sollten die Wege in die Plattform(en), sprich Telefonnummer und App, schon aus kommunikativen Gründen einheitlich sein. Dass es auch aus Versorgungsaspekten Sinn macht, nicht an der KV-Grenze mit dem Denken aufzuhören, zeigt die 116117-Notdienst-Plattform in Niedersachsen. Dort werden die telemedizinischen Kontakte bei Bedarf auch mal von außerhalb Niedersachsens rekrutiert. Warum auch nicht? (s. Folge #1 des neuen E-HEALTH-COM Podcast: https://e-health-com.de/e-health-com-podcast/)


Es gibt viel zu gewinnen
Klar ist: Das Ganze ist ein Riesenprojekt, und es kann auch schiefgehen. Dem gesetzlich versicherten Teil der Bevölkerung den direkten Weg zur fachärztlichen Versorgung zu versperren, wird nicht populär sein. Es gibt aber auch viel zu gewinnen. Das derzeitige System ist nicht nur eine Zumutung für gesundheitssystemferne, häufig jüngere Menschen, die im Zweifel in die Notaufnahme gehen, weil sie nicht wissen, wo sie sonst hingehen sollen. Benachteiligt sind auch Menschen, die die deutsche Sprache nicht gut können. Benachteiligt sind zurückhaltende Menschen, die andere nicht so lange zutexten können, bis sie ihren Facharzttermin bekommen.

 

Die Liste ließe sich fortsetzen. Eine Steuerung wird nicht alle Probleme lösen, aber einige schon. Das gilt es, zu kommunizieren, dann wird es auch Akzeptanz geben. Und: Die digitalen Plattformen müssen leistungsfähig sein. In Niedersachsen sind Beschwerden über die Notdienstversorgung stark zurückgegangen, einfach deswegen, weil die Plattform rasch Ansprechpartner:innen vermittelt. An dieser Stelle sollte nicht gespart werden.


Autor:

Philipp Grätzel von Grätz

Chefredakteur E-HEALTH-COM