E-HEALTH-COM ist das unabhängige Fachmagazin für Gesundheitstelematik, vernetzte Medizintechnik , Telemedizin und Health-IT für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Mehr

Für das ePaper anmelden

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden

Anmelden

Passwort vergessen?

Blog

Was bringt das Jahr 2026 für KI im Gesundheitswesen?

Blog von Prof. Dr. Dr. Christian Dierks

2026 wird das Jahr, in dem sich entscheidet, ob KI im Gesundheitswesen verantwortlich eingesetzt wird – oder weiterhin unter dem Vorwand rechtlicher Unsicherheit gebremst wird.


Künstliche Intelligenz ist längst Teil der Versorgungspraxis. Sie analysiert CTs und histologische Schnitte, bereitet Befundberichte vor, strukturiert Anfragen und priorisiert Fälle. KI wirkt damit unmittelbar auf medizinische Entscheidungen. Der Engpass liegt nicht bei der Technologie. Er liegt auch nicht im Recht. Der Engpass liegt in der Organisation von Verantwortung.


Der KI-Einsatz im Gesundheitswesen bewegt sich nicht in einem rechtlichen Graubereich. Die maßgeblichen Regelungen existieren. Auch zur Verantwortung: Sie lässt sich nicht delegieren, auch nicht an Algorithmen. Entscheidungen bleiben zurechenbar, auch wenn sie technisch vorbereitet oder unterstützt werden. 


Das eigentliche Problem ist deshalb kein Normmangel, sondern Zurückhaltung. Organisationen verwechseln rechtliche Anforderungen mit Verboten und Governance mit Innovationshemmung. In der Folge wird KI informell genutzt oder gar nicht – beides ist riskant, denn der unterlassene Einsatz kann auch pflichtwidrig sein, wenn die Anwendung dem State of the Art entspricht.


2026 ist der Zeitpunkt, diese Ausreden zu beenden. Anwendende Ärzte und Krankenhäuser sollten KI nach vorne stellen und zur Anwendung stehen: Transparenz, Aufklärung, Einsatz und Abwägung im Rahmen der eigenen Entscheidungsfindung („Own it“) holen KI aus der Schmuddelecke und eröffnen das Potenzial zur Qualitätssteigerung. Die rechtlichen Leitplanken stehen. Es gilt, Verantwortung zu übernehmen, anstatt sie weiter zu vermeiden.


Nicht neues Recht entscheidet also über den Erfolg von KI im Gesundheitswesen, sondern die Anwendung des bestehenden Rechtsrahmens. Trauen wir uns, um Vertrauen zu schaffen.

 

Autor:
Prof. Dr. med. Dr. iur. Christian Dierks ist Rechtsanwalt und Facharzt für Allgemeinmedizin in Berlin

Kommentare & Fragen:
christian.dierks(at)dierks.company