Der Koalitionsvertrag 2025 befasst sich mit Maßnahmen zur Stärkung der wohnortnahen Vor-Ort-Apotheken. Gleichzeitig enthält er Impulse zur weiteren Digitalisierung der Arzneimittelversorgung, insbesondere Telepharmazie und digitale Beratung. Eine im Auftrag der European Association of E-Pharmacies (EAEP) durchgeführte IEGUS-Studie (Peters et al. 2025) zeigt, dass Online-Apotheken insbesondere in ländlichen Regionen einen niedrigschwelligen, verlässlichen Zugang zu Arzneimitteln ermöglichen und zunehmend komplexe Beratungsleistungen integrieren.
Politischer Reformrahmen im Koalitionsvertrag
Die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland, insbesondere der Koalitionsvertrag 2025 zwischen CDU/CSU und SPD, markieren einen Wendepunkt in der Gestaltung der Arzneimittelversorgung. Der Vertrag enthält eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der wohnortnahen Vor-Ort-Apotheke, damit diese wirtschaftlich stabiler, strukturell relevanter und gesundheitspolitisch stärker eingebunden wird – vor allem dort, wo es derzeit an einer flächendeckenden Versorgung mangelt:
- Ein zentrales Vorhaben ist die Erhöhung des sogenannten Packungshonorars. Dieses Honorar ist ein Festbetrag, den Apotheken pro verschreibungspflichtigem Arzneimittel erhalten. Es soll von derzeit 8,35 Euro auf 9,50 Euro steigen, in strukturschwachen Regionen sogar in einem Korridor bis zu 11 Euro. Damit soll sichergestellt werden, dass sich der Betrieb einer Vor-Ort-Apotheke auch in Regionen lohnt, in denen weniger Menschen leben und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwieriger sind. Außerdem sollen Apotheken künftig wieder Skonti erhalten können, also Rabatte, die ihnen gewährt werden, wenn sie Medikamente schnell bezahlen. Diese Regelung gibt den Vor-Ort-Apotheken mehr finanziellen Spielraum beim Einkauf von Arzneimitteln und kann zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation führen.
- Ein weiterer Punkt betrifft die gezielte Förderung von Vor-Ort-Apotheken in unterversorgten, insbesondere ländlichen Regionen. Diese sollen – zum Beispiel durch zusätzliche finanzielle Mittel oder erleichterte Bedingungen – besonders unterstützt werden.
- Darüber hinaus sollen Vor-Ort-Apotheken künftig stärker in die Gesundheitsvorsorge eingebunden werden. Das heißt, sie sollen nicht nur Medikamente abgeben, sondern sich auch aktiv an der Prävention beteiligen, zum Beispiel durch Blutdruckmessungen, Impfberatung oder Informationen zur Früherkennung von Krankheiten.
- Geplant sind auch eine Entbürokratisierung der Abgabe- und Austauschprozesse sowie einheitliche Vorgaben für Versand- und Präsenzapotheken, etwa bei Kühlketten und Dokumentationspflichten. Auch die Rahmenbedingungen für Telepharmazie und digitale Beratung sollen verbessert werden (CDU & CSU, SPD 2025).
Während der Koalitionsvertrag sich damit vorrangig auf den Ausbau und die Stabilisierung von Vor-Ort-Apotheken konzentriert, werden in der Studie von Peters et al. (2025) aktuelle Entwicklungen, wie die Digitalisierung des Gesundheitswesens, wirtschaftlicher Druck, Fachkräftemangel und zunehmende Patientenorientierung, Nutzungsdaten sowie regulatorische Rahmenbedingungen in den Blick genommen und in einen gesundheitspolitischen Gesamtzusammenhang gestellt. Es wird deutlich, dass diese übergeordneten gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen u. a. Nachfrage, Erwartungen und Versorgungsbedarfe beeinflussen und dass das Versorgungsmodell der Vor-Ort-Apotheken allein nicht mehr das tatsächliche Nutzungsverhalten der Bevölkerung in Deutschland widerspiegelt. Insbesondere Online-Apotheken übernehmen bereits heute eine zentrale Rolle – vor allem in Regionen mit geringer Apothekendichte – und tragen wesentlich zur Sicherung der Arzneimittelversorgung bei.
Die systematische Analyse der Versorgungsleistung digitaler Apothekenangebote zeigt auf, wie Online-Apotheken bestehende Versorgungslücken schließen und patientenorientierte, ortsunabhängige Zugangswege schaffen. Gleichzeitig gelten für Online-Apotheken spezifische gesetzliche Rahmenbedingungen, die den Versandhandel grundsätzlich erlauben, jedoch mit klaren Anforderungen verknüpft. So verhindern u. a. aktuelle Regulierungen, dass Online-Apotheken eine aktive Rolle und weitergehende Aufgaben beispielsweise in der Notfall- bzw. akuter Patientenversorgung übernehmen. Auch bieten Online-Apotheken virtuelle Beratung zur Optimierung der Versorgungssicherheit bereits an, sehen sich jedoch aufgrund gesetzlicher Vorgaben auch hier Barrieren gegenüber.



