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Interoperabilität

Woran leidet der Datenaustausch im Gesundheitswesen?

Bild: © Samar – stock.adobe.com, 1591711307, Stand.-Liz.

Als in Deutschland vor über 30 Jahren der Begriff Interoperabilität aufkam und insbesondere im Zusammenhang mit dem Austausch von Daten zwischen Softwareanwendungen im Gesundheitswesen eingefordert wurde, war das kein Selbstläufer.


Hersteller und Anwender waren – und sind zum Teil heute noch – oftmals der Ansicht, ihre Daten wie einen Schatz hüten zu müssen. Die Sorge um den Verlust von Geschäftsgeheimnissen und geistigem Eigentum überwog; nur langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass eine kollaborative Zusammenarbeit aller Beteiligten im Digitalzeitalter nur auf einem reibungslosen Austausch von Daten umsetzbar ist.
Die ersten Jahre und Jahrzehnte waren von der Fokussierung auf Abrechnungsprozesse und dann Qualitätssicherung der Leistungen geprägt. Dies bildet auch heute noch die Grundlage des überwiegenden Datenaustausches in unserem Gesundheitssystem.


Zeit für einen Neuanfang
Doch die Abrechnung von medizinischen oder pflegerischen Leistungen basiert auf verschiedenen Systemen, darunter die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) und die „Diagnosis Related Groups (DRGs)“ für die Kliniken. Also auf isolierten oder zeitlich, organisatorisch gruppierten Leistungsdaten. Ziffer, Besuch, Quartal, Fall, DRG – wie geht es eigentlich den Behandelten?
Es wird immer noch versucht, die finanziellen und gesellschaftlichen Herausforderungen wie unser solidarisches Versicherungssystem, den Mangel an Fachpersonal in der Medizin, Pflege und Fürsorge, den Abbau von Standorten der Leistungserbringung, die sinkende Zahl der Einzahlenden und das Anwachsen der Leistungsempfänger in unserem Gesundheitssystem mit Reformen der Finanzierung zu lösen. Das wird auf Dauer nicht funktionieren. 


Leistungsprinzip neu denken
Anstatt Zeiten, Verfahren und Verbräuche zu messen, sollten die Ergebnisse der erbrachten Handlungen bewertet werden. Diese Ergebnisse müssen sich daran messen lassen, ob sie – im Zusammenspiel unterschiedlichster Leistungen und Sektoren – die Situation der Patienten verbessern. Die Resultate können nur über den gesamten Prozess evaluiert werden; dabei sollten die Akteure über eine ergebnisorientierte Incentivierung an ihrem Erfolg beteiligt werden.

Grafik "Ebenen der Interoperabilität"

 

Datenaustausch ist entscheidend
Um die ergebnisorientierte Versorgung der Menschen im Gesundheitssystem wirklich umsetzen zu können, braucht es einen durchgängigen Datenaustausch in den Prozessen zwischen allen Beteiligten.


Gerade Krankenhäuser und ihre IT-Abteilungen haben dabei vielfach von unten nach oben an der etablierten Definition der Ebenen der Interoperabilität gearbeitet. Dabei mussten sie immer wieder feststellen, dass sie selten über die syntaktische Ebene hinausgekommen sind. Dies vor allem, weil weder die Nutzer noch die Leistungsempfänger adäquat in diese Festlegungen involviert waren.


Um das Gesundheitssystem im oben genannten Paradigma neu zu organisieren, muss die Nutzung von Interoperabilität buchstäblich auf den Kopf gestellt werden.


Nur wenn im ersten Schritt die Ziele auf der Ebene der Prozesse definiert sind, kann die Semantik einen wertvollen Beitrag leisten, um die Daten wirklich nutzbar zu machen, wenn diese über festzulegende Standards in einer sicheren Infrastruktur ausgetauscht werden.


Um es mit den Worten des Physikers und Literaten Georg Christoph Lichtenberg zu sagen: „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“

 

AUTOREN

Alexander Ihls
ist Specialist Lead Healthcare bei Deloitte und war langjähriges Mitglied im Vorstand des Arbeitskreises e-Health im Branchenverband Bitkom.
Kontakt: aihls(at)deloitte.de 

 

Matthias Wiesenauer

ist Director bei Deloitte
Kontakt: mwiesenauer(at)deloitte.de