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Health-IT |

Kann KI gemeinsame Entscheidungsfindung?

KI in der Medizin kann mehr als nur Bilddatenanalyse. Ein spannendes Einsatzszenario ist die Unterstützung der gemeinsamen Entscheidungsfindung im Versorgungsalltag.

Bisher sei es so, dass viele Patient:innen im Behandlungsgespräch einen Informationsnachteil hätten, sagte Nele von Horsten, MS-Patient:innen-Vertreterin und Podcasterin: „Diskussionen finden nicht wirklich auf Augenhöhe statt.“ Künstliche Intelligenz (KI) kann hier helfen, davon ist von Horsten überzeugt. Und nicht nur sie: Zusammen mit elf weiteren Expert:innen hat sie jetzt ein Whitepaper vorgelegt, das sich explizit mit der Frage beschäftigt, wie KI-Anwendungen Patient:innen und Behandelnde bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung und darüber hinaus generell beim Umgang mit einer schweren Erkrankung unterstützen kann.

 

Die Idee für das Whitepaper sei im Kontext des vor zwei Jahren gegründeten Patient Council des Unternehmens Roche entstanden, sagte Anja Thelen, Patient Partnership Lead bei der Roche Pharma AG. Das Whitepaper wurde aber unabhängig von dem Unternehmen erstellt. Roche habe lediglich die Infrastruktur zur Verfügung gestellt, es habe aber keine Vergütung der Autor:innen gegeben, so Thelen.

 

Herzstück des 112 Seiten umfassenden Dokuments ist eine Art Praxisleitfaden, der konkrete Empfehlungen zum Einsatz von KI in der Arzt-Patienten-Kommunikation gibt, bis hin zu exemplarischen Prompts, die in bestimmten Situationen genutzt werden können. Ein Szenario ist beispielsweise die Vorbereitung auf ein ärztliches Gespräch bei schambehafteten Symptomen, ein anderes die Umwandlung von Arztbriefen in kindegerechte Sprache bei pädiatrischen Patient:innen.

 

Dr. Sven Jungmann, der als Arzt und KI-Unternehmer an der Whitepaper-Entwicklung beteiligt war, betonte, dass das Verhältnis zur KI in ärztlichen Kreisen ambivalent sei. Einerseits nutzten viele insbesondere jüngere Kolleg:innen immer häufiger Sprachmodelle wie Chat-GPT oder Tools wie Perplexity im beruflichen Alltag. Andererseits wachse auch das Bewusstsein um die Grenzen dieser Werkzeuge. Was zunehmend häufiger vorkomme sei, dass sich Patient:innen zum Beispiel Laborbefunde von Chat-GPT und Co. erklären ließen und das dann im Arzt-Patienten-Gespräch auch ansprechen: „Die Kolleg:innen fühlen sich dann teilweise ein bisschen ertappt, wenn sie etwas nicht von sich aus angesprochen haben.“

 

Weitere Informationen:

Das Whitepaper „KI und Shared Decision Making” steht in voller Länger zum kostenlosen Download zur Verfügung.

https://patientenimfokus.de/ki/