Ursprünglich sollten die Regelungen des EU AI Acts für Hochrisiko-KI ab August 2026 gelten. Die neue Deadline ist jetzt September 2027, für eingebettete Systeme August 2028. „Das ist aber ausdrücklich kein Grund, das Thema zu pausieren“, so Hendrik Reese, für KI zuständiger Partner bei PwC Deutschland. Auch müsse klar betont werden, dass nicht alle Regelungen des AI Act aufgeschoben wurden. Insbesondere die Transparenzpflichten nach Artikel 50 seien seit August 2026 in Kraft, daran habe sich nichts geändert. Etwas mehr Zeit gebe es jetzt dagegen für Konformitätsbewertung, Qualitätsmanagementsystem, technische Dokumentation und die Neuverhandlung von Lieferantenverträgen. Dafür, so Reese, müssten KI-nutzende Einrichtungen und Unternehmen mindestens zwölf Monate veranschlagen. Mit anderen Worten: Wer jetzt Pause macht, der wird 2027 Probleme mit der neuen Frist bekommen.
Ein großes Thema quer über alle Branchen hinweg ist Reese zufolge die KI Governance. Die meisten befänden sich hier noch ganz am Anfang: KI wird zugekauft, es gibt keine Eigenentwicklung, und ein Register sorgt dafür, dass den Anforderungen des AI Act Genüge getan wird. Der nächste Schritt ist dann die operationale Phase, in der erste Agenten-Use-Cases laufen und erste, noch manuelle Governance-Workflows etabliert werden. Ziel müsse am Ende eine „Governance by Design“ sein, so Reese. Hier geht es dann nicht mehr um nachträgliche Kontrolle, sondern um Qualitätssicherung in Echtzeit. Nötig werde das spätestens dann, wenn KI-Agenten in großem Stil genutzt würden und miteinander interagierten.
