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Teleradiologie

Ob Polytrauma, Schlaganfall oder onkologische Fragestellung – ohne schnelle Bildgebung und Diagnostik verzögert sich die Therapie, erhöhen sich Risiken und Kosten. Gleichzeitig ist der Druck enorm: Fachkräftemangel, steigende Fallzahlen, komplexere Diagnostik und ein zunehmender wirtschaftlicher Wettbewerb prägen den Alltag. In diesem Spannungsfeld hat sich die Teleradiologie von einer reinen Notfalllösung zu einem strategischen Instrument der Versorgungsplanung entwickelt.

Bild: © Inara Studio – stock.adobe.com, 1980250738, Stand.-Liz.

Teleradiologie ist heute mehr als das bloße Versenden von Bildern an externe Fachärzte. Die moderne Teleradiologie bildet ein digital vernetztes Gesamtsystem, das klinische Workflows, IT-Infrastrukturen, qualifizierte Radiolog:innen sowie moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz zu einem nahtlosen Ganzen verbindet. So entsteht eine Dienstleistung, die rund um die Uhr verfügbar ist, Versorgungslücken schließt und gleichzeitig hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards einhält.


Fachkräftemangel trifft auf steigende Nachfrage
Die Ausgangslage ist bekannt: Radiolog:innen sind knapp, besonders in ländlichen Regionen und in kleineren Häusern. Nacht- und Wochenenddienste lassen sich oft nur schwer besetzen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an CT- und MRT-Untersuchungen seit Jahren kontinuierlich. Für viele Kliniken ist es organisatorisch kaum noch möglich, eine eigene Radiologie mit ausreichender Fachkompetenz rund um die Uhr vorzuhalten – wirtschaftlich wäre dies in vielen Fällen ohnehin nicht darstellbar.


Teleradiologie schließt diese Lücke. Sie ermöglicht es, radiologische Leistungen unabhängig von Ort und Zeit bereitzustellen. Untersuchungen werden weiterhin im Krankenhaus durchgeführt, die Bilddaten jedoch verschlüsselt an spezialisierte Dienstleister übertragen. Damit können Kliniken ihren Versorgungsauftrag erfüllen, Behandlungsprozesse verlässlich gewährleisten und auch zu Randzeiten eine Diagnostik auf hohem 
Niveau sicherstellen. Besonders in strukturschwachen Regionen wird Tele-radiologie so zum Schlüssel, um die wohnortnahe Versorgung zu sichern.


Integration statt Insellösungen
Das Herzstück einer modernen Teleradiologie-Lösung ist ein vollständig digitalisierter, durchgängig integrierter Workflow. Das setzt eine tiefe Integration ins bestehende Krankenhaus- (KIS) und Radiologie-Informationssystem (RIS) der Klinik voraus. Auftragsdaten, Befunde und Bilddaten werden über HL7- und DICOM-Schnittstellen bidirektional ausgetauscht.


Der Prozess beginnt mit der ärztlichen Anforderung im KIS. Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt legt die Untersuchung an und ergänzt alle relevanten Informationen: Verdachtsdiagnose, bisherige Befunde, Laborwerte. Mit einem Klick werden diese Informationen über standardisierte Schnittstellen an  die diensthabende Teleradiologin/den diensthabenden Teleradiologen übermittelt. Diese:r prüft die Fragestellung, legt das Untersuchungsprotokoll fest und erteilt die rechtfertigende Indikation. Diese Informationen gehen unmittelbar zurück ins RIS. Vor Ort führt ein:e MTRA die Untersuchung durch, die Bilddaten werden im Bilddatenmanagementsystem (PACS) gespeichert und von dort automatisiert und verschlüsselt an die Teleradiologin/den Teleradiologen übertragen. Diese:r erstellt einen strukturierten Befund, unterstützt durch KI-Systeme, die Auffälligkeiten markieren und dringliche Fälle priorisieren. Bereits nach wenigen Minuten kann die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt den Befund im KIS der Klinik abrufen. So bleibt der Ablauf für das klinische Team immer gleich – egal ob eine Radiologin/ein Radiologe im Haus oder ein externer Dienstleister den Befund erstellt.


Dieser Workflow lässt sich mit einer Webportal-Lösung, bei der klinische Teams parallel mit einem zusätzlichen System arbeiten müssen, nicht abbilden. Denn dabei werden Medienbrüche vollzogen, das Fehlerpotenzial steigt und es entsteht ein erhöhter Zeitaufwand. Aus diesen Gründen werden sie von Kliniken in der Regel nicht akzeptiert.


Qualitätsfaktor Befundungsprozess
Ein zentraler Qualitätsfaktor moderner Teleradiologie sind standardisierte Befundungsprozesse mit klar definierten Prüfschritten. In der Versorgungspraxis beschränken sich die meisten Angebote auf eine einfache Erstbefundung, teilweise ergänzt um KI-gestützte Priorisierung oder optionale Zweitprüfungen in ausgewählten Fällen.


Andere Anbieter entscheiden sich bewusst für ein deutlich höheres Absicherungsniveau. Beispielsweise hat 
Radiology Advanced einen Triple-Befunder-Standard als festen Bestandteil des Regelbetriebs etabliert. Jeder Befund wird zunächst durch KI-Systeme analysiert, anschließend von einer Fachärztin/einem Facharzt erstellt und zusätzlich von einer zweiten Radiologin/einem zweiten Radiologen geprüft. Dieses Vier-Augen-Prinzip in Kombination mit KI ist nicht fallabhängig, sondern integraler Bestandteil jedes Befundprozesses.

 

Abweichungen zwischen Erst- und Zweitbefund werden strukturiert dokumentiert, etwa mithilfe etablierter Scoring-Systeme, und systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse fließen in regelmäßige Qualitätszirkel ein und ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Befundqualität. Qualität entsteht dabei nicht situativ, sondern als reproduzierbares Ergebnis klar definierter Prozesse.


Strukturiert aufgebaute, digital verknüpfte Befunde unterstützen darüber hinaus die klinische Entscheidungsfindung. Kritische Areale sind eindeutig hervorgehoben, relevante Bildserien direkt verlinkt, Empfehlungen standardisiert formuliert. Rückfragen lassen sich bei Bedarf unmittelbar telefonisch oder per Videokonferenz mit der befundenden Radiologin/dem befundenden Radiologen klären.


Warum sich Teleradiologie rechnet
Teleradiologie ist aber nicht nur medizinisch, sondern auch betriebswirtschaftlich attraktiv. Neben geringen direkten Kosten für die technische Anbindung wird die Kernleistung der Befunderstellung in der Regel pro Körperregion abgerechnet. Der Preis bewegt sich hier, je nach Untersuchungsvolumen und Serviceumfang, typischerweise im Bereich eines mittleren zweistelligen Betrags pro Befund. Demgegenüber stehen signifikante Einsparungen bei Personal- und Bereitschaftsdiensten, insbesondere in Randzeiten.


Ein voll ausgestatteter radiologischer Dienst mit eigener Rufbereitschaft verursacht jährlich schnell sechsstellige Kosten. Für kleinere Häuser mit begrenztem Untersuchungsaufkommen ist das häufig nicht tragfähig. Teleradiologie erlaubt eine deutlich feinere Skalierung: Die Klinik zahlt nur die tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungen und kann das Volumen flexibel anpassen. Hinzu kommen indirekte Effekte – etwa verkürzte Liegezeiten durch eine schnellere Befundung, weniger Verlegungen und eine bessere Auslastung der vorhandenen Ressourcen. Nicht zuletzt werden die eigenen Radiolog:innen entlastet, was deren Arbeitszufriedenheit steigert.


Kriterien für die Partnerwahl
Angesichts einer wachsenden Zahl von Anbietern stellt sich für Krankenhäuser die Frage, woran sie einen verlässlichen Partner erkennen. Ausschlaggebend ist zunächst die Erfahrung in der Implementierung unterschiedlichster Klinikstrukturen und IT-Umgebungen. Wichtig sind nachweisbare Integrationsprojekte mit unterschiedlichen KIS und RIS sowie belastbare Referenzen. Ein weiteres Kriterium ist die personelle Aufstellung des Dienstleisters: Qualifikationen, Subspezialisierungen, Beschäftigungsformen und Fortbildungskonzepte der Teleradiolog:innen sollten offengelegt werden. Entscheidend ist zudem die Frage, wie Qualität gemessen und gesteuert wird – etwa über interne Audits, Peer-Review-Verfahren oder standardisierte Qualitätskennzahlen.


Nicht zuletzt lohnt sich ein Blick auf die langfristige Stabilität des Partners. Nachhaltige Teleradiologie-Anbieter setzen auf gewachsene Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und eine Unternehmensstrategie, die nicht allein von kurzfristigen Renditezielen getrieben ist. Kliniken sind gut beraten, neben dem Preis auch Faktoren wie Governance, Finanzierung und Innovationsfähigkeit in ihre Entscheidung einzubeziehen.
Auch eine moderne Teleradiologie ersetzt die klassische Radiologie nicht, sie erweitert und stärkt sie. Dort, wo beide eng verzahnt zusammenarbeiten, entsteht die Radiologie der Zukunft: vernetzt, qualitätsgesichert und konsequent am klinischen Bedarf ausgerichtet.