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Vernetzung |

Drei Fragen zur EUDI-Wallet im Gesundheitswesen

Dr. Dominik Deimel ist Geschäftsführer und Partner der Wallet Experts GmbH, einer auf die EUDI- und EU-Business-Wallet spezialisierten Strategieberatung für den Gesundheits- und Versicherungsbereich und Initiator des Wallet Forums. Er plädiert dafür, das Potenzial der EUDI-Wallet voll auszuschöpfen.

Dr. Dominik Deimel, Geschäftsführer und Partner der Wallet Experts GmbH; Foto: © privat

Die Kernaufgabe der EUDI-Wallet wird üblicherweise im Kontext der digitalen Identifizierung und Authentifizierung gesehen. Warum greift das zu kurz?
Mit der EUDI-Wallet-Infrastruktur entsteht ein europaweites Ökosystem, das weit über die Grenzen des Gesundheitswesens hinaus agiert. Erstmalig wird es möglich sein, unterschiedlichste Daten branchenübergreifend sicher und unter der Hoheit des Nutzers zu teilen. Eine Vision, die gerade im Gesundheitsmarkt eine wichtige Rolle spielt. Neben dem Teilen von Daten werden mit der digitalen Signatur und auch der Bezahlfunktion weitere Funktionen über die EUDI-Wallet-Prinzipien nutzbar. Darüber hinaus lassen sich nun Patientendaten aus anderen Bereichen sicher in das Gesundheitswesen integrieren oder auch Gesundheitsdaten in andere Lebensbereiche übertragen – dies eröffnet komplett neue Anwendungsfälle und Potenziale.

Jenseits der vielzitierten Identifizierung in Arztpraxen und bei Videosprechstunden: Welche „ehrgeizigeren“ Anwendungsszenarien für die EUDI-Wallet in der medizinischen Versorgung wären konkret denkbar?
Anwendungsfälle ergeben sich, wenn Patientendaten über die EUDI-Wallet in ganz Europa, mobil und insbesondere wiederverwendbar genutzt werden sollen. Damit wird ein in Deutschland ausgestelltes E-Rezept zukünftig über die EUDI-Wallet überall in Europa einlösbar. Der Versichertenstatus oder auch medizinische Informationen können, einmal in die EUDI-Wallet übertragen, durch den Versicherten selbstbestimmt weitergegeben werden, z. B. in einer konkreten Versorgungssituation oder auch, wenn ich mit Behörden außerhalb des Gesundheitswesens kommuniziere. Auch z. B. Unverträglichkeiten lassen sich beim Einkaufen von Lebensmitteln anonym weitergeben, ohne dass jemand weiß, dass es sich um meine persönlichen Gesundheitsdaten handelt.

Einige dieser Use Cases können ja auch über die elektronische Patientenakte bzw. die Telematikinfrastruktur abgewickelt werden. Wie sollten TI, ePA und EUDI-Wallet künftig ineinandergreifen? Eine Parallelinfrastruktur kann ja nicht das Ziel sein.

Das EUDI-Wallet-Ökosystem basiert auf sicherheitstechnischen Vorgaben, die EU-weit gelten und in den unterschiedlichen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden müssen. Damit besitzen alle, die Daten über die EUDI-Wallet nutzen, die ­Sicherheit, dass diese Daten geschützt und die Datenempfänger im Ökosystem registriert sind. Das ist sehr ähnlich organisiert wie in der Telematikinfrastruktur, nur branchenübergreifend, und nicht von der gematik, sondern der EU spezifiziert. Die Telematikinfrastruktur und die ePA sollten dieses Ökosystem nicht als Wettbewerb sehen und nicht lediglich Schnittstellen in das EUDI-Wallet-Ökosystem – wie z. B. National Conntec Points – bieten. Neue Anwendungsfälle in der deutschen Gesundheitstelematik – wie z. B. VSDM 2.0, Impfnachweise oder auch der Notfalldatensatz – lassen sich über das EUDI-Wallet-Ökosystem gestalten und anschließend auch in der Telematikinfrastruktur nutzbar machen. Dazu braucht es aber eine Haltungsänderung der verantwortlichen Akteure.